Wie überall, so schreitet man auch hier stufenweise voran. Anfänglich ist's einfache Erholungsgafferei. Man schaut in die Luft, man faßt einen Strohhalm in's Auge, man bläst eine Feder, man betrachtet ein Spinnengewebe oder speit auf einen bestimmten Pflasterstein. Diese Dinge nehmen in Betracht ihrer Wichtigkeit ganze Stunden weg.

Ich scherze nicht. Man denke sich einen Menschen, der dies nicht getrieben hat, was ist er? was kann er sein? ein dummes Geschöpf, das rein materiell und äußerlich ist, ohne Sinn, ohne Poesie, der die Straße seines Lebens hinabschreitet, ohne jemals anzuhalten oder vom Wege abzuschweifen, die Umgebung zu betrachten oder sich etwas weiter zu verlaufen; es ist eine Gliederpuppe, die von der Wiege zum Grabe wandelt, wie eine Dampfmaschine von Liverpool nach Manchester.

Ja, die Gafferei ist wenigstens einmal im Leben eine Nothwendigkeit, vorzüglich gegen das achtzehnte Jahr, beim Abgange von der Schule. Hier fängt die auf den Bänken vertrocknete Seele wieder an sich zu beleben, sie macht einen Halt, um sich umzuschauen, sie beschließt ein erborgtes Leben, um ein eigenes anzufangen. Ja, ein ganzer Sommer in diesem Zustande verbracht, scheint mir für eine sorgfältige Erziehung nicht zu viel. Es ist sogar wahrscheinlich, daß ein einziger Sommer nicht ausreicht, einen großen Mann zu bilden. Sokrates ging Jahre lang umher gaffen, Rousseau bis zum vierzigsten Jahre, Lafontaine sein ganzes Leben.

Und dennoch habe ich eine solche Vorschrift in keinem Erziehungsbuche angetroffen.


Diese eben angeführten Beschäftigungen sind also die Grundlage aller wahren, tüchtigen Bildung. In Wahrheit, vermöge derselben erhalten die Sinne eine schuldlose Nahrung, der Geist erlangt dabei zuerst Ruhe und dann Hang zu Beobachtungen und endlich folgerecht und unwillkürlich die Gewohnheit, Begriffe zu ordnen, ihre Verwandtschaft mit einander aufzusuchen und zur Allgemeinheit zu erheben. Und so kommt er von selbst auf jenen philosophischen Weg, den Baco anempfiehlt und den Newton befolgte, welcher eines Tages beim Umherschlendern in seinem Garten einen Apfel fallen sah und die Lehre von der Schwerkraft entdeckte.

Der Student an seinem Fenster entdeckt nun zwar die Schwerkraft nicht, allein vermöge eines ganz gleichen Verfahrens kommen ihm mittelst des Schauens auf die Straße eine Menge von Gedanken in's Gehirn, die, ob an sich neu oder alt, für ihn wenigstens neu sind und deutlich beweisen, daß er seine Zeit nützlich angewandt hat.