Ja, ich finde den Tag manchmal zu kurz, und gar viele Dinge gehen verloren, weil mir's an Zeit gebricht.


Oberhalb meines Zimmers ist das meines Onkels Tom; er sitzt auf seinem Sessel mit Rollen, den Rücken vorwärts gebeugt, und so lange ein Sonnenstrahl seine Silberlocken erhellt, liest er, merkt an, trägt zusammen, ordnet und einverleibt seinem Gehirn die Quintessenz von einigen Tausend Bänden, welche rings in seinem Zimmer herum die Wände bekleiden.

Gerade das Gegentheil von seinem Neffen, weiß mein Onkel Tom alles, was man aus Büchern lernt, und nichts von dem, was man auf der Straße lernt. D'rum glaubt er an seine Wissenschaft mehr als an die wirklichen Dinge selber. Man könnte ihn als Zweifler an seiner eignen Existenz finden, dagegen als Buchstabengläubigen in Betreff so eines dunkeln philosophischen Systems. Sonst ist er gut und unschuldig wie ein Kind, dafür, daß er nimmer mit Leuten gelebt hat.

Drei verschiedene Geräusche zeigen mir fast alles an, was mein Oheim Tom vornimmt: wenn er aufsteht, schreiet die Rolle des Lehnstuhls; wenn er ein Buch nehmen will, rollt die Leiter; hat er sich an einer Prise Tabak erfrischt, so klopft die Dose auf dem Tisch.

Diese drei Geräusche folgen gemeinlich hintereinander und ich bin so daran gewöhnt, daß sie mich in meinen Beschäftigungen wenig stören; aber eines Tages...