Eines Tages kreischt die Rolle, die Leiter rollt nicht, ich warte auf die Dose... auch nichts. Ich wache aus meiner Träumerei auf, gleich dem Müller aus dem Schlafe, wenn das Mühlrad stillsteht. Ich horche; mein Onkel Tom plaudert, mein Onkel Tom lacht... eine andre Stimme... Also doch richtig! sagte ich in großer Aufregung zu mir.
Man muß nämlich wissen, daß ich in meinen Arbeiten am Fenster durchaus nicht bei den Allgemeinheiten stehen geblieben war. Ich hatte mich seit einigen Tagen ganz besonders mit einem Gegenstande beschäftigt, der meine Theilnahme, die ich den übrigen zollte, bedeutend verringerte. Eine Folge dieser Veränderung in der Richtung meiner Arbeiten waren bestimmte Symptome.
Morgens erwarte ich. Um zwei Uhr fängt mein Herz an zu pochen; wenn sie vorüber ist, so ist mein Tagewerk zu Ende.
Früher war es mir nie in den Sinn gekommen, daß ich allein war; denn waren wir nicht, mein Oheim und ich und der Bach und die Schwalben und die ganze Welt; jetzt aber fühle ich mich allein, ganz allein, außer gegen drei Uhr, wo alles um mich herum und in mir auf's neue Leben gewinnt.
Ich habe schon gesagt, wie früher meine Stunden so leicht dahinflossen, heute weiß ich nicht, was ich anfangen soll, ich kann weder arbeiten noch müßig sein, noch auf die Straße schauen, und das ist sehr bedeutsam. Dies geht so weit, daß eines Tages eine große Feder zwei Spannen weit von meiner Nase sich drehete, ohne daß mir nur der Gedanke kam, danach zu blasen. Und solcher Fälle könnte ich hundert anführen.
Statt dessen träume ich jetzt mit wachen Augen. Ich denke, daß sie mich kennt, daß sie mir zulächelt, daß ich ihr gefalle, oder ich suche wol Mittel und Wege ihr etwas zu gelten, ich begegne ihr unterwegs, ich reise mit ihr, ich beschütze sie, ich vertheidige sie, ich rette sie in meine Arme und es betrübt mich ungemein tief, daß ich nicht mit ihr zusammen in einem finstern Walde bin, wo wir von schrecklichen Räubern angefallen werden, die ich in die Flucht schlage und wo ich bei ihrer Vertheidigung verwundet werde.
Doch ich muß wol auch sagen, wer denn dieser Gegenstand war. Ich weiß nicht, wie ich es anfangen soll, denn die Worte sind gar ungeschickt, das Bild zu malen, unter dem uns das erste Mädchen erschien, welches unser Herz pochen machte. Das sind frische, lebendige Empfindungen, die einer ganz jugendlichen Sprache bedürfen.