Meinem Oheim dagegen erschien bei diesem Ausbruche der Fall höchst bedenklich, er veranlaßte mich zu Bette zu gehen und prüfte mich daselbst mit der größten Aufmerksamkeit, indeß ich an das Mädchen dachte, deren Anblick mich entzückt hatte.

Mein Oheim Tom war weit entfernt, die Ursache meines Uebels zu ahnen. Indeß, nachdem er mich anatomisch untersucht und betastet hatte, kam er mit einer Sicherheit, die seiner Wissenschaft Ehre machte, zu der Ueberzeugung, daß meine Knochen im vollständigen Zustande sich befänden. Aller Unruhe über diesen Punkt entledigt, untersuchte er jetzt den Athem, den Umlauf des Blutes und alle Lebensthätigkeiten; darauf ging er zu ganz und gar äußerlichen Anzeichen über und schien endlich seine Wißbegierde befriedigt zu haben, denn er verließ mich mit der Miene eines Menschen, der irgend einen Gedanken zum Ueberlegen im Kopfe trägt.

Es war etwa Mitternacht. Ich blieb allein mit meinen Gedanken, in die ich mich ganz und gar verlor, als das Rollen der Leiter mich aufweckte, und bald darauf schlief ich ein.

Mein Schlaf war sehr unruhig. Tausend Bilder ohne Zusammenhang mit dem Gegenstande meiner Gedanken kreuzten sich, jagten sich vor meinem Blicke; es war weder Schlummer noch Wachen und noch weniger Ruhe. Endlich folgte auf diese Aufregung eine Erschöpfung und meine für einige Augenblicke unterbrochenen Träume kehrten wieder und nahmen eine andere Gestalt an.

Ich träumte, daß ich in einem einsamen Holze ging, leidend aber ruhig, meine Seele von, ich weiß nicht welchem, mich mit unbekanntem Entzücken erfüllenden Gefühle durchdrungen. Anfangs war niemand in meiner Nähe und nichts, was mich an die Wirklichkeit des Lebens hätte erinnern können. Ich war es wol, aber mit Schönheit, Anmuth und allen Vortheilen ausgestattet, die ich im wachen Zustande begehrte.

Ich fühlte mich ermüdet und setzte mich an einem einsamen Plätzchen nieder. Es kam eine Gestalt auf mich zu, die ich nicht kannte, deren Züge aber von dem Ausdruck schwermüthiger Güte belebt waren; ganz unmerklich nahm dieselbe ein mir bekannteres Aussehen an... und endlich war es meine geliebte Jüdin. Auch sie war ganz so begabt, als ich wünschte, und schien ein Gefallen daran zu finden, mich zu betrachten, und obgleich sie nichts sprach, hatte ihr Blick doch eine Sprache, die mich tief im Herzen auf's angenehmste berührte. Ich sah ihr schönes Haupt sich auf meine Stirn neigen, ich fühlte ihren süßen Odem und endlich fand ich ihre Hand in der meinigen. Eine steigende Bewegung durchzuckte mich, mein Traum verlor mehr und mehr seine Ruhe, die Bilder verschwammen durcheinander und wurden ungewiß, und von Antlitz zu Antlitz sah ich zuletzt nichts mehr, als das meines Oheims Tom, der meine Hand gefaßt hatte, um den Puls zu fühlen, und dessen Antlitz auf das meinige herabgebeugt war und mich durch seine Brille betrachtete.