Endlich kam die Zeit auch mir zu Hülfe, sie gab mir die Ruhe wieder und andere Freuden, aber nie eine ähnliche: ich hatte meine Jugend zu Grabe getragen.
III.
Henriette.
Wie ist doch das Herz treu, so lange es jung und rein ist! Wie ist es so zartfühlend und aufrichtig! Wie liebte ich diese Jüdin, welche ich kaum gesehen und so bald wieder verloren! Welch engelgleiches Bildniß ist mir von diesem zerbrechlichen Wesen, dem reizenden Verein von Anmuth, Zucht und Schönheit, geblieben!
Der Gedanke an den Tod erwacht langsam, nach und nach; in den ersten Tagen des Lebens hat sein Name keinen Sinn. Für die Kindheit ist alles in der Blüthe, im Entstehen, eine Schöpfung von gestern; für den Jüngling ist alles Kraft, Jugend, überströmendes Leben. In der That, einzelne Wesen verschwinden aus dem Gesichte, aber sie sterben nicht.... Sterben! das will sagen, für immer der Freude verloren sein; den lachenden Anblick der Fluren, des Himmels, selbst den Gedanken daran verlieren, welchen so glänzende Hoffnungen, so lebendige, wahre Gebilde erfüllen!!...
Sterben! das will sagen, die Glieder, welche von Kraft strotzen, von Leben glühen, die frisches Blut röthet, schwach werden, eisig erkalten, in entsetzliche Blässe sich auflösen sehen.
Unter die Erde dringen, das Leichentuch aufheben, dieses wurmzerfressene Fleisch anschauen, die staubzerfallenen Gebeine... der Greis kennt diese Bilder, er verscheucht sie, aber den Jüngling treten sie niemals an.