Mein Oheim schwieg, er hatte die Veranlassung meiner Thränen misdeutet und versuchte anfänglich nicht, mich zu trösten. Jedoch nach einigem Schweigen trat er näher:
Ein so verständiges Mädchen! sagte er;... so schön!... Ein so junges Mädchen!
Nicht um sie weine ich, guter Oheim; aber Sie haben mir so betrübende Dinge gesagt!... Was soll aus mir werden, wenn Sie nicht mehr sind? Diese Worte rissen meinen Oheim aus seinem Irrthume und erleichterten sein Herz so sehr, daß er augenblicklich seine Heiterkeit wiederfand.
Ohe! mein armer Julius, darum weinst Du?...
Schön! schön! wenn's weiter nichts ist, mein Sohn, werde schon leben... Mit vierundachtzig Jahren versteht man die Kunst... und dann habe ich meinen Hippokrates... weine nicht, Kind. Es handelt sich jetzt um weiter nichts, als um die schönen Künste.... und dann um Dein Geschick. Das Alter, siehst Du, kommt bei Dir, wie bei mir... das Recht behagt Dir nicht?... nun, nach Deinem Gefallen. Also, wirf Dich auf die schönen Künste.... denn freilich, jeder muß sich in seinem Geschäfte gefallen. Du nimmst die Madonna; wir suchen für Dich eine Werkstätte. Hier magst Du beginnen, in Rom endigen; so wird's am besten sein. Ein bloßes Scheinleben zu führen, wäre ja doch am Ende das größte Uebel; hat man ein Ziel vor Augen, so arbeitet man, und erstrebt, und erreicht es, vermählt sich...
Ich unterbrach ihn: nimmer, mein Oheim!
Nimmer? gut; wie Du willst... Aber weshalb, Julius, willst Du den Hagestolz spielen?
Weil, sagte ich verlegen, weil ich mir selbst gelobt habe, seitdem...
Armes Mädchen!... So verständig!... Nun, folge Deinem Hange, Dein Wille gilt ja. Ich bin nicht daran gestorben. Die Hauptsache ist, daß Du Dir einen Stand wählest; wir wollen darüber sprechen.