„Ja“, sagte er, „nicht wahr, Sie haben ihn gekannt, den Sergeanten Clerambault?“
„Natürlich habe ich ihn gekannt.“
„Das war mein Sohn.“
Ein Bedauern kam in den Blick.
„Ach, Sie armer Herr... Natürlich habe ich ihn gekannt, Ihren tapferen kleinen Jungen! Wir waren fast ein ganzes Jahr zusammen, und das zählt, dieses Jahr! Durch Tage und Tage wie die Maulwürfe im selben Loch... Ach, man hat zusammen viel Elend erlebt.“
„Hat er viel gelitten?“
„Na, mein Herr, manchmal war es hart. Den Kleinen hat es manchmal fest gepackt, besonders im Anfang. Er war es eben nicht gewöhnt; wir, wir kennen das.“
„Sie sind vom Lande?“
„Ich war Gutsknecht, da lebt man das Leben mit den Tieren, lebt ein wenig wie sie selbst... Obwohl, mein Herr, um es offen zu sagen, der Mensch heutzutage von den Menschen schlechter als das Vieh behandelt wird... „Seid gut zu den Tieren“, diese amtliche Mahnung hatte irgendein Spaßvogel in unserem Schützengraben aufgehängt. Aber was für sie nicht gut ist, war noch immer gut genug für uns... Tut nichts!... Ich beklage mich ja nicht. Es ist nun einmal so. Und wenn es sein muß, muß es eben sein. Aber der kleine Sergeant, bei dem merkte man’s, daß er nicht gewöhnt war an all das. An den Regen und an den Schlamm und die Niedertracht und vor allem an den Schmutz. Was immer man anrührte, was man aß, und dann auf einem selbst: das Ungeziefer... Im Anfang, da sah ich’s, da war er ein paarmal ganz nahe daran zu weinen. Da versuchte ich ihm ein bißchen zu helfen. Mich lustig zu machen über die Sachen, um ihm zu helfen — aber so, daß er nicht merkte, daß man ihm helfen wolle, denn er war stolz, der Kleine, und wollte nicht, daß man ihm helfe — aber er war doch froh, wenn man’s tat. Und ich war es auch. Dort hat man ja nötig, zueinander zu rücken und sich zu helfen. Schließlich war er soweit und so abgehärtet wie ich, hat mir seinerseits auch geholfen. Hat nie geklagt, wir lachten sogar zusammen, denn man muß doch lachen: Es gibt ja kein Unglück, das ewig dauert, und das hilft einem über das Elend hinweg.“
Clerambault hörte bedrückt zu. Er fragte: