[191] (S. 131): Brief vom 21. April 1861.
[192] (S. 131): Camille Bellaigue, „Tolstoi et la musique” („Gaulois” vom 4. Januar 1911).
[193] (S. 132): Man darf nicht glauben, daß es sich nur um die letzten Werke Beethovens handelt. Selbst denen aus der Frühzeit wirft Tolstoi „ihre gekünstelte Form” vor. — In einem Brief an Tschaikowsky stellt er gleichfalls der gekünstelten Art Beethovens, Schumanns und Berlioz', die die Wirkung berechnen, die wahre Künstlerschaft eines Mozart und Haydn gegenüber.
[194] (S. 132): Vergleiche die Szene, die Paul Boyer im „Temps” vom 2. November 1902 erzählt: „Tolstoi läßt sich Chopin vorspielen. Am Schluß der vierten Ballade füllen sich seine Augen mit Tränen. — ‚Ah! l'animal!’ ruft er aus, erhebt sich unvermittelt und verläßt das Zimmer.”
[195] (S. 135): „Der Herr und sein Knecht” ist eine Art Übergang von den düsteren Romanen, die vorausgehen, zu der „Auferstehung”, worin sich das Licht göttlicher Barmherzigkeit ausbreitet. Aber man spürt darin noch mehr die Nachbarschaft mit dem „Tod des Iwan Iljitsch” und den „Volkserzählungen”, als mit der „Auferstehung”, wo sich nur gegen das Ende zu die wunderbare Verwandlung eines selbstsüchtigen und feigen Menschen ankündigt. Den größten Teil der Geschichte bildet die äußerst realistische Schilderung eines ungütigen Herrn und eines ergebenen Dieners, die nachts in der Steppe von einem Schneesturm überrascht werden und den Weg verlieren. Der Herr, der zuerst unter Zurücklassung seines Genossen zu fliehen versucht, kehrt zurück und findet seinen Diener halb erfroren; er wirft sich über ihn, bedeckt ihn mit seinem Körper, erwärmt ihn wieder, indem er sich instinktiv aufopfert; er weiß nicht warum; aber seine Augen füllen sich mit Tränen: es ist ihm, als ob er der sei, den er retten will, der Diener Nikita, und daß sein Leben nicht mehr in ihm selbst ist, sondern in Nikita. — „Nikita lebt; also bin ich noch am Leben.” — Er hat fast vergessen, daß er selbst Wassili gewesen ist. Er denkt: „Wassili wußte nicht, was zu tun war. Aber ich — ich weiß es!” Und er hört die Stimme dessen, auf den er wartete (hier erinnert sein Traum an eine der „Volkserzählungen”), dessen, der ihm gerade befohlen hatte, sich auf Nikita zu betten. „Herr ich komme”, ruft er voller Freude, und er fühlt, daß er frei ist, daß nichts ihn mehr zurückhält... Er ist tot.
[196] (S. 135): Tolstoi hatte einen vierten Teil vorgesehen, der aber ungeschrieben blieb.
[197] (S. 137): Im Gegensatz hierzu war er mit allen Milieus, die er in „Krieg und Frieden”, „Anna Karenina”, den „Kosaken” und „Sewastopol” beschreibt, aufs Beste vertraut: den Salons der Adelsgesellschaft, dem Heer, dem Landleben. Er brauchte nur auf seine Erinnerungen zurückzugreifen.
[198] (S. 139): Tolstoi hat vielleicht an seinen Bruder Dmitri gedacht, der auch eine Maslowa geheiratet hatte. Aber Dmitris heftiges und unausgeglichenes Temperament unterschied sich wesentlich von dem Nekludows.
[199] (S. 140): „Mehrere Male in seinem Leben hatte Tolstoi eine ‚Gewissensreinigung’ vorgenommen. So nannte er die moralischen Krisen, in denen er sich entschloß, den Schmutz, der seine Seele trübte, auszufegen. Nach Überwindung solcher Krisen unterließ er es nie, sich Vorschriften aufzuerlegen, die immer zu befolgen er sich schwor. Er führte ein Tagebuch und begann ein neues Leben. Aber jedes Mal verfiel er wieder in dieselben Fehler, oder in noch schlimmere, als vor solch einer Krise.”
[200] (S. 140): Als Nekludow erfährt, daß die Maslowa sich mit einem Krankenwärter vergangen hat, ist er noch fester als je entschlossen, „seine Freiheit zu opfern, um die Sünde dieser Frau zu sühnen”.