[249] (S. 166): Brief aus dem Januar 1883.
[250] (S. 167): „Ich werde niemals jemand vorwerfen, daß er keine Religion hat. Wenn die Menschen lügen und vorgeben, eine Religion zu haben, — das ist das Schlimme.” — Und an anderer Stelle: „Gott möge uns davor bewahren, daß wir Liebe heucheln; dies ist schlimmer als der Haß.”
[251] (S. 167): „Revue des Deux Mondes” vom 15. Dezember 1910.
[252] (S. 167): Ebenda.
[253] (S. 168): An einen Freund, 10. Dezember 1903.
[254] (S. 168): Veröffentlicht im „Figaro” vom 27. Dezember 1910.
[255] (S. 169): Dieser Zustand reicht also bis in das Jahr 1881 zurück, d. h. bis zu dem in Moskau verbrachten Winter, als Tolstoi das soziale Elend entdeckte.
[256] (S. 172): Brief an einen Freund.
[257] (S. 173): Es scheint, daß Tolstoi während der letzten Jahre und besonders während der letzten Monate seines Lebens stark unter dem Einfluß seines ihm treu ergebenen Freundes Wladimir Grigoritsch Tschertkow stand, der während seines langen Aufenthalts in England sein Vermögen daran gesetzt hatte, Tolstois gesamtes Werk zu veröffentlichen und zu verbreiten. Tschertkow ist von einem der Söhne Tolstois, von Leo Tolstoi, heftig angegriffen worden. Aber wenn man ihm auch Starrköpfigkeit vorwerfen konnte, so vermochte niemand, seine völlige Ergebenheit anzuzweifeln; und ohne die manchmal vielleicht unmenschliche Härte zu billigen, die in gewissen Handlungen, welche man auf seinen Einfluß zurückführen kann, zutage tritt (wie in dem Testament, worin Tolstoi seiner Frau jede Verfügung über all seine Schriften einschließlich seiner Privatbriefe entzog), darf man glauben, daß er stolzer auf den Ruhm seines Freundes Tolstoi war, als dieser selbst.
[258] (S. 173): Die „Correspondance de l'Union pour la vérité” hat in ihrer Nummer vom 1. Januar 1911 einen interessanten Bericht über diese Flucht veröffentlicht: Tolstoi verließ plötzlich am 28. Oktober (10. November) 1910, gegen 5 Uhr morgens, Jasnaja Poljana; seine Tochter Alexandra, die Tschertkow „seine vertrauteste Mitarbeiterin” nennt, war in das Geheimnis von seiner Flucht eingeweiht. Am nämlichen Tage, um 6 Uhr abends, langte er an dem Kloster Optina an, einem der berühmtesten Wallfahrtsorte Rußlands, wohin er früher schon manches Mal gepilgert war. Hier verbrachte er die Nacht und den Morgen des folgenden Tages und schrieb einen langen Aufsatz über die Todesstrafe. Am Abend des 29. Oktober (11. November) ging er nach dem Kloster Chamordino, wo seine Schwester Marie Nonne war. Er aß mit ihr und sagte ihr, daß er den Wunsch gehabt habe, das Ende seines Lebens im Kloster Optina zu verbringen, „wo er sich den niedrigsten Arbeiten gern unterzogen hätte, jedoch unter der Bedingung, daß er nicht gezwungen gewesen sei, zur Kirche zu gehen.” Er verbrachte die Nacht in Chamordino, machte am folgenden Morgen einen Gang in das benachbarte Dorf, wo er Unterkunft zu nehmen dachte, und kam am Nachmittag wieder mit seiner Schwester zusammen. Um 5 Uhr traf unversehens seine Tochter Alexandra ein. Zweifellos benachrichtigte sie ihn davon, daß sein Zufluchtsort bekannt geworden und man auf seiner Verfolgung sei; und in der nämlichen Nacht brachen sie noch auf. „Tolstoi, Alexandra und Doktor Makowitski gingen nach der Bahnstation Koselsk, wahrscheinlich mit der Absicht, die südlichen Provinzen, vielleicht die von den Duchoborzen im Kaukasus gegründeten Kolonien, zu erreichen.” Unterwegs erkrankte Tolstoi auf dem Bahnhof von Astapowo und mußte sich zu Bett legen. Dort starb er dann.