[259] (S. 176): Tagebuch unter dem Datum des 28. Oktober 1879. — Der ganze Abschnitt, der zu den schönsten gehört, lautet: „Es gibt in dieser Welt schwerfällige Leute ohne Flügel. Diese bewegen sich auf der Erde. Unter ihnen gibt es starke Naturen: Napoleon. Er hinterläßt schreckliche Spuren unter den Menschen. Er sät Unfrieden. — Es gibt Menschen, die sich Flügel wachsen lassen, sich langsam emporschwingen und schweben: die Mönche. — Es gibt leichtbeschwingte Menschen, die sich mühelos erheben und wieder herabstürzen: die guten Idealisten. — Es gibt Menschen mit mächtigen Schwingen... — Es gibt himmlische Menschen, die aus Liebe zu den Menschen auf die Erde herabsteigen, ihre Flügel zusammenfalten und die anderen das Fliegen lehren. Dann, wenn sie nicht mehr nötig sind, steigen sie wieder empor: Christus.”
[260] (S. 176): „Man kann nur leben, solange man trunken vom Leben ist.” („Beichte”, 1879.) — „Ich bin lebenstoll... Dies ist der Sommer, der köstliche Sommer. Dieses Jahr habe ich lange gekämpft; aber die Schönheit der Natur hat mich besiegt. Ich freue mich des Lebens.” (Brief an Fet, Juli 1880.) — Diese Zeilen sind mitten in der religiösen Krisis geschrieben.
[261] (S. 176): In seinem Tagebuch unter dem Datum des 1. Mai 1863: „Der Gedanke an den Tod...” „Ich will und ich liebe die Unsterblichkeit.”
[262] (S. 176): „Ich berauschte mich an diesem vor Entrüstung schäumenden Zorn, den ich an mir liebe, den ich selber befeuere, wenn ich ihn spüre; denn er übt eine besänftigende Wirkung auf mich aus und gibt mir wenigstens für einige Augenblicke zu allen körperlichen und moralischen Fähigkeiten eine ungewöhnliche Elastizität, Tatkraft und Glut.” („Tagebuch des Fürsten Nekludow”, — „Luzern”, 1857.)
[263] (S. 177): Sein Aufsatz über den Krieg anläßlich des allgemeinen Londoner Friedenskongresses im Jahre 1891 ist eine tüchtige Verhöhnung der Pazifisten, die an ein internationales Schiedsgericht glauben: „Es ist die Geschichte von dem Vogel, den man fängt, nachdem man ihm etwas Salz auf den Schwanz gestreut hat. Er ist vorher ebenso leicht zu fangen. Den Leuten von Schiedsgericht und Abrüstung mit Zustimmung der Staaten sprechen, heißt sich über sie lustig machen. Das alles ist Gerede! Natürlich stimmen die Regierungen zu: die sind die rechten! Sie wissen es wohl, daß sie das nie hindern kann, doch zu tun was sie wollen.” („Grausame Vergnügungen.”)
[264] (S. 177): Die Natur war immer Tolstois „beste Freundin”, wie er zu sagen liebte. Er nahm am Leben der Natur teil, er fühlte sich im Frühling wie neugeboren („März und April sind für mich die besten Arbeitsmonate” — Brief an Fet vom 23. März 1877), im Spätherbst verfiel er in eine Art von Erstarrung („Es ist für mich die toteste Jahreszeit, ich denke nicht, ich schreibe nicht, ich fühle mich angenehm verblödet.” — Brief an Fet vom 21. Oktober 1869.) — Aber die Natur, die innig zu seinem Herzen sprach, war die Natur seiner Heimat, die Natur von Jasnaja Poljana. Wenn er auch während seiner Schweizerreise außerordentlich viel Schönes über den Genfer See zu schreiben wußte und ganz besonders über Clarens und seine Umgebung, wo ihn die Erinnerung an Rousseau anzog, so fühlte er sich doch eigentlich in dieser Schweizer Natur als ein Fremder; und die Bande, die ihn an die Heimaterde fesselten, erschienen ihm viel enger und herzlicher. — „Ich liebe die Natur, wenn sie mich von allen Seiten umgibt, wenn mich von allen Seiten die warme Luft einhüllt, die sich in der unendlichen Weite ausbreitet, wenn dieses nämliche fette Gras, das ich beim Lagern niedergedrückt habe, die endlosen Felder begrünt, wenn diese nämlichen Blätter, vom Windhauch bewegt, mein Gesicht beschatten, die das dunkle Blau des fernen Waldes bilden, wenn diese nämliche Luft, die ich atme, den hellblauen Grund des unendlichen Himmels erfüllt, wenn ich nicht allein die Natur genieße, wenn rings um mich Millionen von Insekten surren und schwirren und die Vögel singen. Es ist für mich der höchste Naturgenuß, wenn ich mich an allem teilhaben fühle. — Wie schön ist hier (in der Schweiz) die grenzenlose Weite, aber ich fühle mich ihr nicht verbunden.” (Mai 1857.)
[265] (S. 177): Unterhaltungen mit Paul Boyer („Le Temps” vom 28. August 1901).
[266] (S. 178): Tagebuch vom 6. Januar 1903.
[267] (S. 178): Brief an Birukow.