„Nein.“

„Aber wenn Sie spät heimkommen?“

„Es ist keine Gefahr. Apachen kommen nicht in diese Gegend. Die haben ihre festen Gewohnheiten. Sind im Grunde auch solide Bürger. Und dann wohnt da unser Nachbar, ein alter Lumpensammler mit seinem Hunde. Überhaupt habe ich keine Angst. Ich prahle nicht damit. Es ist gar nichts Besonderes. Ich bin sonst nicht gerade mutig. Ich habe eben noch keine Gelegenheit gehabt, recht das Gruseln zu lernen. Wenn es einmal dazu kommt, entpuppe ich mich vielleicht als ärgerer Hasenfuß als andere. Weiß man denn je, was man ist?“

„Ich weiß, was Sie sind,“ sagte Peter.

„Ja, das ist aber auch viel leichter, ich weiß es auch . . . was Sie angeht. Den andern erkennt man immer besser.“

Der feuchte Abendfrost drang durch die geschlossenen Fenster. Peter schauerte ein wenig zusammen. Lutz merkte es sogleich am Zucken seines Nackens. Auf ihrem Spirituskocher bereitete sie ihm eine Tasse Schokolade. So vesperten sie. In mütterlicher Sorgfalt warf Lutz ihm einen Schal um die Schultern. Behaglich ließ er sich verwöhnen, wie ein Kätzchen wohlte er sich in der weichen Wärme des Tuches. Man kam wieder auf Lutzens Lebensgeschichte zurück, die noch nicht ganz fertig erzählt war. Peter sagte:

„Wenn Sie sonst in der Welt niemand haben als Ihre Mutter, muß doch das Verhältnis zu ihr sehr innig sein.“

„Ja,“ sagte Lutz, „es war so.“

War?“ wiederholte Peter.

„O wir haben uns immer noch lieb,“ sagte Lutz. Sie war etwas verlegen, weil ihr dieses Wort entschlüpft war. (Warum sagte sie ihm immer mehr, als sie sagen wollte? Dabei fragte er sie nicht aus, wagte es nicht. Aber sie hörte, wie sein Herz fragte, und es tut so gut, jemandem alles zu sagen, wenn man es sonst nie gedurft hat. Die Stille im Haus, das halbdunkle Zimmer, — all das verlockte zu rückhaltloser Aussprache.) Sie sagte: