„Wir zwei, wir sind so ruhig! . . . Die andern sind wie im Fieber. Krieg. Fabriken. Alles hastet, hastet. Arbeiten, leben, genießen . . .“
„Ja,“ sagte Peter, „kurz ist die Stunde.“ „Um so weniger soll man laufen, statt zu gehen! Man ist ja doch zu bald am Ziele. Wir wollen ganz kurze Schrittchen machen.“
„Aber die Stunde selber rennt fort,“ sagte Peter. „Halten wir sie recht fest!“
„Ich halte sie, ich halte sie,“ sagte Lutz, indem sie seine Hand ergriff.
So plauderten sie bald zärtlich, bald ernsthaft, wie gute alte Freunde. Aber dabei achteten sie wohl darauf, daß immer der Tisch zwischen ihnen blieb. Aber jetzt merkten sie erst, daß es im Zimmer tiefe Nacht geworden war. Peter stand hastig auf. Lutz hielt ihn nicht zurück.
Die kurze Stunde war um.
Sie hatten Angst vor der Stunde, die jetzt kommen konnte. Beim Abschied waren sie so befangen, ihre Stimmen klangen so gepreßt wie bei Peters Eintritt. Auf der Schwelle wagten ihre Hände kaum sich zu berühren.
Aber wie er die Tür geschlossen hatte und beim Durchschreiten des Gärtchens den Kopf gegen das Fenster im Erdgeschoß wandte, sah er im letzten kupfrigen Widerschein auf den Scheiben Lutzens Kopf im Umriß, wie sie im ungewissen Halblicht ihm mit dem Ausdruck tiefer Leidenschaft nachsah. Da lief er zum Fenster zurück und legte den Mund an die Scheibe. Durch die gläserne Wand hindurch küßten sich ihre Lippen. Dann wich Lutz ins Dunkel des Zimmers zurück und der Fenstervorhang fiel nieder.