»I därf nöt, der Herr Graf hat's verboten« –
»Nun gut, Seppl, da du mir nichts erzählen willst, werde ich dir was erzählen. Vor ein paar Tagen bin ich beim Herrn Pfarrer gewesen; der hat mich gefragt, ob ich denn nicht mit dem Grafen von früher her bekannt bin, und was für ein Herr dieser Graf denn wäre. Denn sein Umgang mit dir, Seppl, gefalle ihm gar nicht, sagte der Herr Pfarrer – und wer Jahr aus Jahr ein so viele Sünden gebeichtet bekommt, der kennt sich aus, Seppl –. Ich habe dir und dem Grafen natürlich das beste Leumundszeugnis ausgestellt; aber wenn du dich so wenig nett gegen mich benimmst –! Also, was ist auf dem Tressenstein passiert, Seppl?«
Daraufhin gab der Brunnhofer Seppl schleunig seinen Widerstand auf und vertraute uns an, daß es die Bäuerin sei, um die es sich handle. Der gspaßige Fremde kenne sich nicht mehr aus und wolle den Grafen fragen, was denn mit der Bäuerin jetzt geschehen soll.
»Ja, was ist denn der Bäuerin passiert, Seppl?«
Mit angehaltenem Atem antwortete der Brunnhofer-Seppl:
»A Wunder!«
Dr. Kranich setzte sogleich eine ernste Miene auf. »A la bonne heure! Das läßt sich hören! Das freut mich! Das ist einmal ein Erfolg!«
Und diese ernste Miene behielt er, während er seinem Opfer alles entlockte, was er wissen wollte. Schon gestern, als der Brunnhofer Seppl den Grafen hinauf begleitete, habe er davon reden gehört, daß mit der Bäuerin was Besonderes vorgehe. Sie sei den ganzen Tag nicht klar wach geworden, habe der Fremde dem Grafen erzählt – der Brunnhofer-Seppl dachte einen Augenblick angestrengt nach: »er hat ihm gsagt, sie is immerfort sommerbühl«, sagte er geheimnisvoll; und mit noch leiserer Stimme setzte er hinzu: »sie hat gestern in ganzen Tag mit'n Erzengel Gabriel gredt. Der is ihr erschienen, sie hat'n genau beschrieben, wie er ausschaugt. No und heunt –«
Der Brunnhofer Seppl verstummte wieder, als könne er von diesen Dingen unmöglich vor Uneingeweihten mehr mitteilen. Er suchte sich vor Dr. Kranichs Fragen mit einem scheuen: »mehr woaß i selber nöt«, zu salvieren; Dr. Kranich hatte ihn aber mittelst einer versteckten Drohung ganz in der Gewalt: »Red', Seppl, sonst – red' ich –« und so wand sich der arme Seppl in den Klauen des schwarzen Panthers hilflos wie ein Kalb. Wenn der Graf erfahren möcht', daß er so viel ausplauschen thät –! Und der Herr Dr. Kranich sollt' do an Einsegn haben mit arme Leut'; das Leben is gar hart im Winter, und wer nöt dazuschaugt im Sommer, daß er si a bißl was zrucklegt –
Nach dieser kleinen, auf Dr. Kranichs »Einseg'n« zielenden Abschweifung fuhr er zu erzählen fort. Vormittags habe ihn der Graf, der »die ganze Zeit auf'n Dr. Elmenreich paßt hat«, mit einer Post an den Fremden hinaufgeschickt; und da sei es der Bäuerin eben sehr schlecht gegangen.