Der Meister hörte ihm mit ängstlicher Spannung zu. Namentlich die Möglichkeit einer Anzeige schien ihm großes Unbehagen zu verursachen. Aufgeregt sagte er:

»Also dann – also dann muß der Graf entscheiden, was hier zu geschehen hat. Wo in aller Welt bleibt er denn? Seppl, schaffen Sie doch den Grafen herbei. Oder Sie, Pipin – weiß denn niemand, wo der Graf ist?«

Schließlich ging er mit Pipin und Seppl fort, um auf die Gefahr hin, von Elmenreich insultiert zu werden, den Grafen bei ihm zu suchen.

Dr. Kranich lehnte sich in seinen Sessel zurück und blies aus seiner Cigarette die denkbar vollkommensten Ringe in die stille Luft. Er machte einen Versuch, seinen Ernst zu bewahren; dann übermannte ihn doch sein mutwilliges Lächeln.

»Jetzt sitzen die beiden Revivalists mit ihrem Dilettantismus in der Tinte! Wollen sehen, wie sie sich aus dieser Affaire ziehen werden!«

* * *

(Aus einem Briefe.)

12. September 1893.

... Dr. Kranichs Neugierde ist bald befriedigt worden. Die Revivalists haben es vorgezogen, allen etwaigen Verwickelungen ihrer Angelegenheit durch ärztliche oder geistliche Einmischung aus dem Wege zu gehen, und sind abgereist. Ganz in aller Stille, ohne Abschied, selbst ohne einzupacken. Für den Meister wäre das Einpacken freilich eine überflüssige Ceremonie gewesen; denn er besitzt – wenn Pipin recht unterrichtet ist – außer dem, was er auf dem Leibe trägt, nur ein Hemd und zwei Taschentücher. Diese Habe steckte er zwischen Deckel und Vorsatzpapier seines großen Folianten und schützte sie mit Bindfaden vor dem Herausfallen.

Schwieriger war die Frage des Einpackens für den Grafen. Er hinterließ sie unter zahlreichen anderen Vermächtnissen Pipin. Und Pipin packte einen halben Tag lang im Schweiße seines Angesichtes an allen diesen Anzügen aus weißem Flanell, aus gelber Rohseide, aus silbergrauem Kammgarn, an Schärpen und Krawatten, an weißen und bunten Seidenhemden, an gestickten Unterhosen und karrierten Strümpfen, an silbernen Bürsten und elfenbeinernen Kämmen, an Parfümflacons und Manicüre-Utensilien, an Schachteln, Dosen und Etuis ohne Zahl. Er konnte sich diese raffinierten Anstalten zur Pflege des irdischen Leichnams nicht ganz mit der Leidenschaft des Grafen für die »Wissenschaft des Uebersinnlichen« zusammenreimen und fand, daß die Tressenbäuerin im Grunde konsequenter sei, die keine Speise mehr anrühren will, seit sie sich mit dem Göttlichen in Verbindung glaubt.