Die Tressenbäuerin ist auch ein Vermächtnis des Grafen an Pipin. Er hat ihm strenge aufgetragen, dafür zu sorgen, daß sie nicht etwa in ihrem Wahn Hungers stirbt und auf diese Weise zu lästigen behördlichen Rekriminationen Anlaß giebt. Genau genommen, sei ja doch Pipin an diesem Zwischenfall schuld, da er es war, der den Meister dort oben bei dieser unzurechnungsfähigen Person einquartierte – eine unpraktische Idee schon deshalb, weil ihm, dem Grafen, dadurch die Unannehmlichkeit aufgebürdet war, eine Stunde bergan zu laufen, so oft er mit dem Meister zusammenkommen wollte.

Pipin geht getreulich jeden Tag hinauf, setzt sich an das Bett der Bäuerin und trachtet, ihr einen Löffel Suppe einzureden. Bisweilen hält sie ihn für eine der himmlischen Personen, mit denen sie verkehrt; dann thut sie gutwillig, was er anordnet. Zu anderen Zeiten liegt sie teilnahmlos, starr und stumm; dann nützt weder Güte noch Gewalt. Einen Arzt zu rufen, hat der Graf ausdrücklich verboten; das Ganze werde in wenigen Tagen ohnedies von selbst vorübergehen, wenn sie sich körperlich wieder ein wenig gekräftigt hätte. Pipin möge nicht etwa glauben, daß er dieses Zwischenfalles wegen so rasch abreise. Er bedaure im Gegenteil, daß er gerade jetzt gezwungen sei, zu scheiden – aber er könne unmöglich Elmenreichs Auftreten gegen ihn länger ertragen. Und er hinterließ eine ganze lange Auseinandersetzung für Elmenreich als drittes Vermächtnis an Pipin. Pipin sollte Elmenreich sagen – nun, Pipin hatte sich alle die leidenschaftlichen Vorwürfe, Klagen, Bitten und Versprechungen nicht gemerkt, nur den Auftrag, ihm zu erklären, daß der Graf im Begriffe sei, ein neues Werk in Angriff zu nehmen. Die Zeitung sei eine Verirrung gewesen, Elmenreich habe vollständig recht gehabt; aber jetzt sollte es etwas viel Wirksameres, viel Umfassenderes, viel Großartigeres werden, etwas Ungeheures und Niedagewesenes. Näheres darüber könne er noch nicht mitteilen; aber der Tag sei nicht ferne, an dem Elmenreichs Sinn sich wenden und er seine Ungerechtigkeit tief bedauern werde.

Dieses letzte Vermächtnis scheint Pipin nicht gerne übernommen zu haben. Im übrigen bleibt er dem Grafen unwandelbar ergeben; er hat ihm den Schafskopf vollkommen verziehen und ist nach wie vor bereit, an alle wunderbaren Dinge zu glauben, die dem Neophyten versprochen sind ...

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(Aus einem Briefe.)

19. September 1893.

... Für Pipins Herzensangelegenheit war die Abreise des Grafen von ausschlaggebender Bedeutung. Der Zusammenhang zwischen dieser Abreise und der endgültigen Entscheidung Eugeniens sollte ihm nicht verborgen bleiben: Die Stiefmutter nahm nunmehr die Verlobungsfrage in die Hand und machte mit der ihr eigenen Resolutheit reinen Tisch.

Pipin ist eben von mir weggegangen, beseligt durch die Gewißheit, daß er der Erkorene ist, und doch zugleich betreten über die Umstände, unter denen er es ward.

Ganz unumwunden hat ihn die Stiefmutter aufgefordert, doch endlich »Ernst zu machen«. Worauf er denn warte? Er sei in ihrem Hause täglich aus- und ein gegangen, man habe ihm Vertrauen geschenkt, ihn für einen Ehrenmann gehalten, die ganze Welt spreche schon davon – er könne Eugenie unmöglich kompromittiert haben, wenn er nicht daran denke, Ernst zu machen –.

Pipin war ja mit Freuden bereit, Ernst zu machen; aber niemals würde er Fräulein Eugenie überreden, würde sie irgendwie zu einem Entschlusse drängen –