Wie? Was? Drängen? Sollte Eugenie noch immer nicht zur Raison gekommen sein? Was sie denn eigentlich denke? Ob sie wohl glaube, daß ihr Vater wieder das Opfer dieses kostspieligen Landaufenthaltes umsonst gebracht habe?

Und hierauf eine unverblümte Darstellung der Verhältnisse:

Dr. Kranich, ein Mensch ohne reelle Absichten, dem man nicht fünf Schritt über den Weg trauen könne, Elmenreich, ein alter Junggeselle mit grundsätzlicher Abneigung gegen das Heiraten, der Graf, ein Sonderling, der aus Angst Reißaus nimmt, wenn ihm eine Dame in die Nähe kommt – was gebe es da noch zu schwanken und zu überlegen? Da sei die Wahl doch einfach genug!

Armer Pipin! Das war die Art, auf welche er den »Rekord über alle anwesenden höheren Menschen« erzielt hat ...

* * *

»Guter Gott« – erzählte Pipin weiter – »Sie werden mich doch nicht mit solchen Argumenten dem Fräulein aufnötigen?«

»Aufnötigen?« antwortete sie ungehalten. »Wer spricht denn von aufnötigen? Die bloße Vernunft genügt da, sollte man denken. Wenn ein Mädchen jung und schön ist, und sonst nichts, muß sie ihre Zeit benützen. Eugenie ist fünfundzwanzig Jahre alt; glaubt sie vielleicht, daß sie ewig jung und schön bleibt? Aber es ist ihr ja keiner gut genug; sie will ja immer oben hinaus, sie hat ja lauter romantische Ideen im Kopf, oder was weiß ich – und eines schönen Tages wird sie verblüht sein und niemand wird mehr etwas von ihr wissen wollen –« Zum Schluß erklärte sie, sie werde ihr jetzt einmal selbst den Kopf zurecht setzen.

»Und nur nach vielem Bitten«, fuhr Pipin bewegt fort, »gelang es mir, sie dahin zu bringen, daß sie das mir überließ – nicht das Kopfzurechtsetzen, sondern eine entscheidende Unterredung mit Eugenie.«

Und dann hatte Pipin die entscheidende Unterredung.

Er fand Eugenie in tiefer Verstimmung, nicht geneigt, ihm ihr Herz zu eröffnen. Auf seine Frage, ob sie ihm nicht anvertrauen könne, was sie so sehr bedrücke, schüttelte sie nur stumm den Kopf. Er beteuerte, daß er bereit zu allem sei, was sie von ihm fordern möge; aber auch das brachte nicht den geringsten Eindruck auf sie hervor; »denn«, sagte Pipin entschuldigend, »das habe ich ihr schon allzuoft wiederholt, ohne doch einen Finger für sie zu rühren. Solche Beteuerungen sind auch etwas Abgeschmacktes. Aber wenn ich nur einen Weg zu ihrer Seele fände! Ein Wort, mit dem ich ihr eine Freude machen könnte! Endlich sagte ich, um mit etwas Positivem anzufangen: »ich habe eben mit Ihrer Frau Mama gesprochen, Fräulein Eugenie.« Das war natürlich nicht das Wort, das ihr Freude machen konnte. Sie antwortete in ihrer Verstimmung: »Nun, dann ist ja alles in Ordnung. Dann haben Sie ohnedies alles erfahren, was Sie wünschen!«