»Ja, ja, wer das Glück hat, führt die Braut heim! Das hätt' ich mir nicht gedacht, Pipin, daß Sie auch als ladykiller so viel Erfolg haben werden, wie als Adept. Ich sehe, Sie sind ein protégé des Glücks, man muß sich auf guten Fuß mit Ihnen stellen.«

Und mit seinem herrlich lachenden Munde, der immer seine ernstesten Worte Lügen straft, sprach er eine Art Segen über das Brautpaar: »denn ich bin ein frommer Mensch, wie Sie wissen. Ich liebe die schönen, heiligen Ceremonien, wenn sie auch in einem Restaurationslokal deplaciert erscheinen. Ja, Gott segne Sie, Pipin!«

Und dann rief er Eugenie, die er neben sich Platz zu nehmen gezwungen hatte, als Zeugin an, ob er ihr nicht stets Pipin als den geeignetsten Mann zum heiraten bezeichnet habe, als denjenigen, der alle erforderlichen Qualitäten besitze, mit denen ein Gatte und namentlich der Gatte einer schönen Frau, die auf den Händen zu tragen sei, ausgerüstet sein müsse –. Eugenie warf unter halbgesenkten Lidern einen abwehrenden Blick auf ihn. Als er aber so weit ging, zu behaupten, daß es seine Ratschläge seien, denen Pipin sein Glück verdanke, fiel sie ihm ins Wort.

»Sie irren sich, Dr. Kranich«, sagte sie mit einem Versuch, ihn kalt und von oben herab anzusehen. »Ich befolge Ihre Ratschläge nicht; es ist ganz mein eigener Entschluß. Es ist meine eigene Wahl! Pipin ist der liebste, beste Mensch von der Welt! Der einzige Mensch«, – mit einem Seitenblick auf Elmenreich – »der mich wirklich liebt, der an mich glaubt. Ich werde ihm das nie vergessen: ich werde ihm immer dankbar dafür sein! Wenn Sie auch über alles spotten, Dr. Kranich, ich werde meine Vorsätze doch ausführen, ja, das werd' ich!«

»Sapristi! dann bleibt mir allerdings nichts übrig, als meinen Irrtum freudig einzugestehen. Ich bin ein Bewunderer der guten Vorsätze und schönen Entschlüsse; sie sind ja in diesem gemeinen Leben, in dem sich alles nach langweiligen Gesetzen und mit öder Notwendigkeit vollzieht, das einzige Erhebende und Erbauliche. Hier aber sitzt so ein ruchloser Skeptiker, der an dergleichen löbliche Bestrebungen nicht glauben will. Auf, Elmenreich! Warum sind Sie so lässig? Lesen Sie dieser leichtsinnigen Jugend, die da mit guten Vorsätzen in die Ehe treten will, tüchtig die Leviten.«

Elmenreich antwortete nicht. Schweigsam und finster hatte er an seinem Barte gedreht, und er blieb schweigsam, bis die Verlobten sich wieder zum Gehen anschickten. Da sagte er zu Pipin: »Ich möchte mit Ihnen reden, Pipin. Kommen Sie zu mir, so bald Sie Zeit haben.«

* * *

Gegen Abend erhielt ich ein Billet von Elmenreich: »Adieu in aller Eile. Ich packe ein und reise mit dem Nachtschnellzug ab. Unwiderruflich. Sehe ich Sie vielleicht noch vorher?«

Ich fand ihn inmitten einer chaotischen Unordnung; der Inhalt seines Kleider- und Wäscheschrankes war über sämtliche Möbel des Zimmers verstreut.

Er war so irritiert, daß ihm in diesem Augenblick jeder Handgriff als eine unüberwindliche Schwierigkeit erschien.