»Gott bewahre, Gott bewahre! Wir werden uns doch dergleichen nicht zu Herzen nehmen! Es wäre ein Frevel an diesen himmlischen Augen, wenn sie durch Thränen getrübt werden sollten. Das möchte ich nicht verschuldet haben, nein, das nicht!«

Eugenie schlug die Augen auf. Sie waren trocken. Ein kühler, abweisender Blick fiel auf Elmenreich.

»Ich habe nicht geweint«, sagte sie stolz. »Sie brauchen sich nicht zu beunruhigen.«

Da wurde auch Elmenreich sogleich wieder der Alte. Er versetzte kurz: »Desto besser«, und dann gingen beide verstimmt und schweigend nebeneinander her.

Am Ende des Promenadenweges lief uns Pipin entgegen. Er war ganz erhitzt und aufgeregt.

»Welches Glück ich habe!« rief er und schlug die Hände zusammen wie ein Kind. »Der liebe Gott meint es mit mir beinah so gut wie mit der gewissen Heiligen – Sie werden ja wissen, wie sie heißt, Herr Doktor – ich meine diese, Fräulein Eugenie, die sich mit einer Notlüge aus der Affaire zog. Eben habe ich mir Ihrem Herrn Papa gegenüber durch eine Notlüge geholfen – und sieh da, es trifft alles ein!«

Eugenie erblaßte.

»Dem Papa gegenüber? Der Papa ist doch auf die Jagd gefahren? Ist er schon wieder zurück?«

»Es ist etwas dazwischen gekommen, ich weiß nicht was. Ich glaube, Fräulein Eugenie, es wäre gut – vielleicht wären Sie geneigt, gleich nach Hause zu gehen. Er war ein wenig ungehalten darüber, daß Sie abwesend waren und Ihre Frau Mama allein – oder vielmehr nicht allein, sondern ohne Sie. Da sagte ich – verzeihen Sie, aber es schien mir in diesem Augenblick das Einfachste – ich sagte auf gut Glück, daß Sie mit der gnädigen Frau zusammen spazieren gegangen sind: und siehe da, ich hab' es erraten!«

Eugenie runzelte die Augenbrauen und antwortete nichts. Sie beschleunigte aber ihren Schritt sofort.