Seine tiefen, brennenden Augen, unter denen violette Schatten liegen, hefteten sich auf Elmenreich. Es war eine flehentliche Frage in seinem Blick; und mit der südlichen Lebhaftigkeit seiner Geberden unterstrich er die eindringliche, verhaltene Leidenschaft dieser Frage. Er erhob seine beiden Hände gegen Elmenreich – wunderbar gepflegte Hände mit schlankem weichen Fingern, auf denen in zahlreichen Ringen herrliche Juwelen funkeln.
Elmenreich stand mit der gleichgültigen und gelangweilten Miene eines Menschen da, der Gemeinplätze oder Phrasen anhören muß; der Brunnhofer Seppl hatte in seinem gebräunten Gesicht einen Ausdruck so düsteren Ernstes, daß man wohl vermuten konnte, er habe irgend eine Geistesmenschenthat auf dem Gewissen, über die er bisweilen maniermenschliche Regungen unangenehmer Art empfinde; Pipin aber starrte mit hochhinaufgezogenen Augenbrauen den Grafen an, sein Gesicht war ganz rot und ein banges Erstaunen malte sich in seinen Mienen. Der Atem schien ihm zu versagen; in der Stille, die entstanden war, schnappte er hörbar nach Luft.
Da wandte sich Elmenreich gegen den Grafen.
»Halten Sie ein, Graf«, sagte er spöttisch, »Sie stürzen diesen armen Neophyten zu früh in die Schrecknisse der letzten Grade.«
Der Graf warf den Kopf zurück und streifte Pipin mit einem ungnädigen Blick.
Und in einem Ton, der keine Widerrede gestattete, fügte Elmenreich hinzu: »Pipin, kommen Sie jetzt mit uns. Wenn Sie etwas nicht verstehen, können Sie ja mich fragen; ich werde Ihnen schon Auskunft geben.« Damit kehrte er dem Grafen den Rücken und setzte seinen Weg fort.
Pipin schloß sich ihm gehorsam an; aber er blieb in sich gekehrt und schweigsam.
Heute sagte er zu Elmenreich sehr vergnügt: »Ich glaube, ich weiß jetzt unter welche Gattung Menschen ich gehöre – denn zu den Geistesmenschen darf ich mich nicht rechnen, und zu den Maniermenschen, offen gestanden, möcht' ich doch nicht gezählt werden –«
»Seien Sie nicht so albern, Pipin«, versetzte Elmenreich grob. »Sie werden doch diese Klassifikation nicht ernst nehmen?«
»Warum denn nicht?« antwortete Pipin unschuldig. »Ich finde sie großartig, das muß ich sagen. Und Sie, gnädige Frau?«