Dann ergriff er mich bei der Hand und sah mich mit seinen hellblauen Augen beweglich an:
»Freuen Sie sich doch auch, gnädige Frau! Ich möchte so gerne jemanden haben, der sich mit mir freut, damit ich nicht allein bin mit diesem köstlichen Freudegefühl –«
»Aber Pipin, ich weiß wirklich nicht recht, worüber Sie sich so freuen, ich meine, aus welchem Grunde –?«
»Ach Gott, ich weiß es ja selber nicht! Ich bin nur so glücklich, so voll Freudigkeit – das Leben kommt mir so reich vor, so vielversprechend, so groß, so – so – ich habe so ein Gefühl der Dankbarkeit, daß ich da bin, daß ich lebe, daß mir so viel gegeben wird! So ein Gefühl der Zuversicht, als ob etwas Außerordentliches bevorstünde, etwas Großes und Wundervolles, daß alle Menschen einander die Hände drücken werden vor überströmender Glückseligkeit ...«
Unter der Buche neben dem grauen Stein. Alle Menschen sind weit weg; es giebt nur Bäume auf der Welt, unschuldige, schweigsame Bäume, die still auf ihrem Platze stehen und den Himmel betrachten. Von ihren Wurzeln herauf steigt ein feuchter Erdgeruch Er erweckt eine wundersame Stimmung, etwas wie Andacht vor der Fülle, vor der ewigen unerschöpflichen Fruchtbarkeit des Lebens. So innig beisammen Tod und Leben und so leidlos beide in dieser Welt!
Auf den frommen grünen Moosgrund niederzuknien und auszusprechen das Wort, das erst vernehmbar wird in dem großen Schweigen, wenn alle Geräusche des menschlichen Treibens verstummt sind!
Und die Einsamkeit des Waldes antwortet. In dem großen Schweigen spricht die Einsamkeit von dem, was unmitteilbar ist. Die Erde spricht; sie spricht von der ewigen unerschöpflichen Fülle des Lebens. Sie spricht: Fühle, fühle, mein Kind, ich habe dich, ich halte dich, ich trage dich durch die Ewigkeit!
*
Ein Geräusch. Bricht ein Hirsch durch den Wald? Es ist der schwarze Panther. Er geht über die Lichtung auf die Blockhütte zu. Das hohe Gras, das noch vom Morgentau glänzt, steht hinter ihm wieder auf; leicht, unhörbar, mit schwebenden Schritten geht er.