»Ja aber – begegnen Sie ihm da nicht zuweilen?«

»Zuweilen? Täglich, stündlich, jeden Augenblick.«

»Und – und weicht er Ihnen dann aus? Oder grüßen Sie einander?«

»Warum sollen wir uns denn nicht grüßen? Wir speisen doch mittags und abends an demselben Tisch!«

Elmenreich ärgerte sich über meine Verwunderung.

»Sie halten dergleichen Menschen für zu wichtig, gnädige Frau«, sagte er geringschätzig. »Der gute Graf ist nicht bedeutend genug, als daß man dauernd mit ihm in Feindschaft leben könnte. Man muß solche Leute als das nehmen, was sie sind – als einen Stoff zur Unterhaltung. Im Grunde habe ich ihn nie für etwas anderes gehalten.«

»Aber Elmenreich! Wenn Sie jetzt behaupten wollen, daß Sie den Grafen nie ernst genommen haben!«

»Also meinetwegen: früher habe ich mich wohlwollend mit ihm unterhalten – und jetzt habe ich das Wohlwollen gestrichen. Aus der Welt schaffen kann ich ihn nicht, so lasse ich ihn eben mitlaufen.«

* * *

(Aus einem Briefe an meinen Mann.)