»Sie sind eben auch ein maßlos eitler Patron!« brummte Elmenreich.

Dagegen verwahrte sich Pipin mit Eifer. Ob er sich denn nicht darüber freuen dürfe, daß so überlegene Menschen wie der Meister und der Graf ihn ihres Umgangs würdigten? Und ob es denn nicht ein einwandfreier Ehrgeiz sei, nach geistiger Erweckung zu trachten? Nach der Erleuchtung, die man empfange, wenn höhere Geister sich einem offenbaren?

»Erweckung! Erleuchtung! Schau, schau! So weit sind Sie schon vorgeschritten? Die termini technici wenigstens haben Sie brav auswendig gelernt! Aber ich werde Ihnen etwas sagen, Pipin: wenn zwei Raubvögel einen Spatzen in ihre Mitte nehmen, so thun sie es nicht, um ihn zu »erwecken« oder zu »erleuchten«, sondern um ihn zu rupfen.«

Pipin wurde dunkelrot bis an die Haarwurzeln. Er stand auf, ging aufgeregt einige Schritte hin und her und schien mit einer heftigen Antwort zu ringen. Elmenreich aber fuhr fort:

»Nicht als gewöhnliche Gauner natürlich, nicht mit eingestandener Hinterlist, Gott bewahre! Sondern in aller Unschuld und Selbstverständlichkeit, als eine Sache, die geborene Raubvögel thun können, ohne sich etwas zu vergeben. Das gehört zu den Eigenheiten der species, lieber Pipin; und Sie würden gut daran thun, wenn Sie von Ihrem Standpunkt aus sämtliche »höhere Menschen« ein für allemal als Raubvögel betrachteten und sich mit ihnen nicht weiter einließen.«

Als er aber sah, daß er damit Pipins Mitteilsamkeit abgeschnitten hatte, lenkte er wieder ein:

»Uebrigens thun Sie, was Sie wollen; mich geht ja die Sache nichts an. Ich will nichts gesagt haben – Gott bewahre mich davor, daß ich mir einfallen lasse, einen erwachsenen Menschen zu bevormunden –« woran er noch einige längere Betrachtungen über das Verkehrte und Vergebliche des Besserwissens fügte.

Pipin fand noch immer nicht den Faden seiner Mitteilung wieder; da fragte er endlich geradezu: »Also Pipin, legen Sie nur los: was ist denn da oben im Werk?«

»Sie sind heute nicht in der Stimmung«, versetzte Pipin ausweichend. »Ich sehe schon, heute hätte ich wieder Pech mit jedem Wort –«

Elmenreich ärgerte sich über diesen ungewohnten Widerstand. Es war unverkennbar: er wollte nicht ausgeschlossen sein von den Vorgängen, zu denen man ihn nicht mehr einlud. Sollte die wegwerfende Gleichgültigkeit, die er sonst diesen Vorgängen gegenüber zur Schau trägt, nicht ganz echt sein? Nur eine Form, die er sich zurechtgelegt hat, weil er sich in keiner anderen äußern kann? Aber niemals würde er das zugeben. Er, der nicht ansteht, sich selbst das Schlechteste nachzusagen, wenn es darauf ankommt, seine Selbsterkenntnis zu zeigen, er würde sich um keinen Preis diese kleine Schwäche eingestehen. Denn als ich nun halb im Scherz zu ihm sagte: »Sie interessieren sich also doch ein wenig für das, was auf dem Berg Alvernia weiter geschieht –?« stieß er nur einen kleinen verächtlichen Pfiff aus, stand auf und ging davon.