Pipin errötete wieder heftig. »Der ist schon gefunden«, versetzte er mit niedergeschlagenen Augen. »Der Graf wird Herausgeber und – ich Eigentümer sein.«

»Das heißt, Sie werden derjenige sein, der die Geschichte bezahlt? Denn Sie wissen doch, der Graf hat kein Vermögen?«

»Ganz richtig! Der Graf wird seinen Teil im Geistigen beitragen und ich im Materiellen, so haben wir es vereinbart, und so ist es auch in Ordnung. Umgekehrt ginge es freilich nicht!«

Dabei lachte er von Herzen. Und mit seiner wichtigsten Miene erzählte er, alles sei schon bis ins kleinste Detail ausgedacht und durchgesprochen – sogar einen Namen habe der Graf schon gefunden. »Leiweriam«, so werde das Blatt heißen.

»Leiweriam? aus welcher Sprache ist das?«

»Aus gar keiner. Es ist kein Sinnwort, sondern ein Klangwort, wie der Graf sagt, nämlich ein Wort, das nicht einen Begriff auslöst, sondern durch den bloßen Klang ein Gefühl. Auf das Gefühl muß man wirken, nicht auf den Verstand, das ist die Ansicht des Meisters; und darin liegt nach seiner Meinung der große Fehler der europäischen Kultur, daß sie den Verstand der Menschen hypertrophiert hat, daß sie sozusagen eine Ueberproduktion an Bewußtsein erzeugt hat –«

»Ich weiß, ich weiß«, sagte ich eilig. Wenn nun auch Pipin anfängt, zu predigen und Weltanschauung zu propagieren –!

* * *

Abends bei Tisch, bevor der Graf da ist.

Dr. Kranich zu Pipin: »Wir müssen wieder einfältig werden, Pipin, schlicht und einfältig wie unsere Großväter. Unser Brot selbst backen, unseren Kohl selbst bauen, eine Familie gründen, an unserem Charakter arbeiten. Keinen Alkohol mehr, kein Nachtkaffeehaus! Auch keine französischen Romane mehr: Die Bibel als einzige Lektüre, dieses Buch voll strenger Seelengröße und Sittenreinheit –«