Elmenreich: »Mna!«
Pipin nachdenklich: »Jetzt weiß ich nicht, Dr. Kranich, meinen Sie das mit dem Kohl bauen und dem Brot backen wörtlich oder nur so allegorisch? Und warum eigentlich soll man das alles selber machen?«
Dr. Kranich: »Um des inneren Friedens willen.«
Elmenreich: »Lieber Arthur, Sie ergeben sich neuestens einem unverantwortlichen Kultus der Phrase. Sie bemerken gar nicht, daß Sie da einen sehr gewöhnlichen Kurs eingeschlagen haben. Das ganze Leben des gewöhnlichen Menschen besteht aus einer Summe von Phrasen. Sobald man aber diese Phrasen auf ihren reellen Gehalt hin durchdenkt –«
Dr. Kranich, in seinem wohlwollendsten Ton:
»Lieber Elmenreich, Sie bewerten die Phrase ganz falsch. Sie sind eben leider ein Intellektualist. Der Intellektualist denkt über die Phrase nach und vernichtet damit ihre wahre Funktion. Die Phrase ist bestimmt, Empfindungen zu wecken und Instinkte auszulösen. Deshalb ist die Phrase das Wirksame und Mächtige; Gedanken aber sind das Ohnmächtigste, was es auf der Welt giebt.«
Elmenreich: »Nur, solange die große Mehrzahl noch auf dem Standpunkte der Negerintelligenz steht, für die das Denken etwas Unerträgliches ist. Man müßte eben die Leute vor allem denken lehren, denken –«
Dr. Kranich: »Um Gottes willen, das fehlte gerade noch, daß auch der Mob anfinge zu denken! Lassen wir doch der großen Mehrzahl ihre gesunde Dummheit; der gebildete europäische Mensch ist ohnedies nur mehr ein Erkenntniskrüppel und Begriffsidiot.«
Hier ergreift Pipin mit glänzenden Augen seine Hand. »Wie glücklich bin ich, daß Sie auch dieser Ansicht sind!« sagt er frohlockend. »Ja, wenn wir solche Bundesgenossen finden –«
»Bundesgenossen? Wir?« Dr. Kranich runzelt seine schöngeschwungenen Augenbrauen.