Elmenreich, halb ärgerlich, halb liebevoll: »Kindskopf!«
Pipin: »Also ich fange gleich an! Machen Sie es mir leicht – was liegt Ihnen denn daran? Sie sind ja doch viel zu gerecht und zu objektiv, als daß Sie einen Menschen wie Meister Wendl nach einem einzigen mißglückten Versuch beurteilen wollten –«
Elmenreich, barsch: »Davon kein Wort mehr! Dorthin bringen Sie mich nicht, daß Sie's nur wissen. Machen Sie doch Ihre Augen auf, Pipin! Sie waren ja bis vor kurzem ein leidlich vernünftiger Bursche! Es wäre mir leid, wenn Sie in die unrechten Hände kämen. Sagen Sie mir nur, was suchen Sie denn dort oben bei diesem Verschleißer von verschimmelten Weltanschauungen? Glauben Sie wirklich, so ein Amateur-Apostel, der das Religionsstiften als Sport betreibt, kann von einem modernen Menschen ernst genommen werden?«
»Anfänglich schien mir das auch; aber jetzt bin ich bekehrt. Meister Wendl ist etwas, wofür wir modernen Menschen leider kein Verständnis haben – er ist ein Weiser!«
»Sie meinen wohl, Pipin, man braucht bloß ein Dutzend alter Schmöker gelesen und aufgehört haben, sich zu waschen, um ein »Weiser« zu sein? Sie meinen wohl, man ist schon ein »Weiser«, wenn man einen haarigen Mantel trägt und mit Scherben aus der metaphysischen Rumpelkammer hausieren geht? Solche Weise können wir alle jeden Tag werden!«
»Aber warum werden wir es nicht, wenn das so leicht ist?«
»Weil wir zu viel seelisches Anstandsgefühl haben, mein lieber Pipin! Weil wir nicht schamlos genug sind, uns als Narren aufzuspielen! Weil wir nicht unredlich genug sind, zusammengelesene Gedanken für eigene auszugeben! Weil wir nicht –«
In diesem Augenblick kam der Graf. Da brach Elmenreich sofort das Gespräch ab.
(Aus einem Briefe.)