Sich hinzugeben den Geboten eines Meisters, das Werkzeug seines Willens und seiner Gewalt, vernichtet vor der Majestät eines Mächtigeren, hingestreckt durch den, der uns unter seine beseligende Herrschaft zwingt! Ihn erleiden in der mystischen Wollust der Entselbstung ...

Siehe, ich bebe, ich glühe, ich brenne – nimm mich hin, ergreife mich, erdrücke mich, laß mich der Schemel deiner Füße sein ...«

Elmenreich unterbrach seine Vorlesung. Was denn das heißen solle, daß Pipin ihm die Machwerke des Grafen als Visionen des Herrn Wendl auftische? Ob der Graf glaube, er brauche sich bloß hinter einem anderen zu verstecken, und man werde ihn nicht erkennen? Und ob Pipin selber wirklich nicht genug rechtschaffenes Empfinden habe, um die schielende Seele zu erkennen, die sich hinter dieser zweideutigen Manier verberge? Pfui Teufel!

Zornig warf er die Blätter auf den Tisch, daß sie auseinanderflogen und auf den Boden fielen.

Pipin sammelte sie behutsam und ordnete sie wieder. Einen Teil steckte er zu sich, den anderen legte er vor sich hin. »Der Graf ist so eigensinnig«, sagte er entschuldigend. »Was kann da ein Mensch wie ich machen? Ich habe gleich gesagt, das ist nicht die richtige Manier – aber er glaubt, er kennt Sie besser als ich. Und da er Sie ja um soviel länger kennt als ich –«

Elmenreich macht eine ungeduldige Bewegung.

»Hören Sie nur dieses eine noch«, fährt Pipin flehentlich fort. »Und – und lassen Sie mich es Ihnen lieber vorlesen, ja, darf ich?«

Ohne Elmenreichs Einwilligung abzuwarten, liest er mit steigender Bewegung und einer Stimme, die vor Ergriffenheit bebt:

Die Stimme des Suchenden.
Eine Vision.

Und ich sahe ein Meer, das dehnte sich aus von Aufgang bis Niedergang und hatte keine Grenze, so weit das Auge reicht.