Traurig senkte er diese in das klare Bächlein, das unfern seiner Hütte vorüberfloß; es war eben wieder der Todestag seiner Mutter, und schwere Gedanken bedrückten Prótzkos Herz; da fing sich ein Fisch von ganz ungewöhnlicher Größe an seinem Haken, den er nur mit der größten Kraftanstrengung ans Land zu ziehen vermochte. Er mußte tief in den Bach hinein waten, um den Fang herauszuholen; aber siehe da! von gediegenem Golde war der köstliche Fisch, und nun erst ward es dem Ritter klar, daß jener Kaufmann, dem er einst Güte und Milde hatte angedeihen lassen, niemand anders, als der mächtige Geist der Riesenberge, Rübezahl, gewesen sei.

Nun war er mit einem Male wieder reich und fand bald wieder Anhänger; er begründete in dem weniger bewohnten, östlichen Gebirgstale ein neues Schloß, an derselben Stelle, wo sein Zufluchtsort, die kleine Fischerhütte, gestanden hatte. Mitten im Walde erhob sich bald die Burg des Ritters; er gab ihr einen hohen Turm und mächtige Wälle und nannte dieselbe, in dankbarer Erinnerung der Weise, wodurch ihm die Mittel dazu geworden waren, Fischbach.

So entstand mit Hilfe des Berggeistes das schöne Dorf, welches jetzt, als einer der interessantesten und berühmtesten Punkte des Gebirgstales, von vielen Reisenden besucht wird und das Eigentum einer Fürstenfamilie geworden ist.

Rübezahl macht einem Förster einen Zopf.

In dem Dorfe Brückenberg, das schon sehr hoch im Gebirge liegt, und wohin der König von Preußen einst eine norwegische Kirche bringen und aufstellen ließ, lebte vor langen Zeiten ein Förster, von dem die Rede ging, daß er wacker aufzuschneiden verstehe, und seine Jagdgeschichten, die er den Leuten stets sehr bereitwillig erzählte, erinnerten etwas stark an Münchhausens wundervolle Begebenheiten. Oft log er den Bauern am Sonntag im Wirtshause so viel vor, daß sie nicht mehr wußten, wo ihnen der Kopf stand; Rübezahl hörte das, hatte aber lange Zeit Nachsicht mit dem Förster, weil er sonst eine gute Haut war, den die Leute bis auf seine seltsamen Jagdgeschichten auch recht gern hatten.

Einstmals aber hatte er seinen Gevatter, den Pfarrer in Seydorf, besucht, und dieser gab ihm am Abende das Geleit. Während sie nun langsam den Berg hinaufstiegen, der nach der Anna-Kapelle und den weiterhin liegenden Gräbersteinen führt, kam der Förster auch wieder auf seine Jagdabenteuer und fing zu erzählen an:

„Ihr könnt es mir glauben, Herr Gevatter, mir ist manches passiert, was andere gern um vieles Geld erleben möchten, und nun sticht sie der Neid, daß sie mir die helle Wahrheit nicht glauben mögen. Denkt nur einmal z. B., wie es mir in Polen ging, an dem ungeheuren Schlawer-See, wo die größten Grausamkeiten von den Seeräubern verübt werden; mir schaudert

noch die Haut, wenn ich mich derselben erinnere. Aber das wollte ich eigentlich nicht erzählen, sondern, wie ich im Dämmerlichte einmal hinaus in den Wald gehe, da sehe ich ein braunes Tier, das sich langsam in der Schonung hinbewegt. Halt, denke ich, das ist gewiß eine Kuh; ich war schon lange ohne Fleisch gewesen, nahm mein Rohr an den Backen und Schoß. Stellt euch nun aber mein Erstaunen vor, als ich hinspringe und einen Frosch — einen Riesenfrosch, so groß wie ein Ochs, getroffen habe.“

„Gevatter,“ fiel ihm hier der Pfarrer in die Rede, „ihr werdet doch mit euch handeln lassen; der Frosch wird denn doch wohl etwas kleiner gewesen sein, als ihr mir weismachen wollt.“

„Nein, auch nicht einen Zoll breit habe ich ihn vergrößert, er war wie ein tüchtiger Ochs; ich habe ihm die Haut abgezogen und sie gerben lassen. Daraus ließ ich mir ein Paar Beinkleider, eine Weste und einen Pelzrock machen, und sie ist so fest und wasserdicht, daß ich tagelang im Regen auf dem Anstande stehen oder im Sumpfe waten kann, ohne mir nur die eigene Haut feucht zu machen.“