„Hör’,“ fängt dabei der erste wieder an, „ich glaube, das Bäuerlein war kein rechter Bauer, sondern ist der Herr vom Berge gewesen, von dem man sich so viel Schnurren erzählt. Nun, wir können zufrieden sein, daß er uns nicht schlimmer mitgespielt.“

„Ei, du hast recht,“ antwortete der andere. „Aber wir sind doch selber schuld, daß er uns angeführt hat; es war dumm genug von uns, dort oben auf der kahlen Höhe einen Apfelbaum zu vermuten, gedeiht doch nicht einmal eine Kiefer dort.“

Während sie ihre steinigen Äpfel sorgfältig mit Erde und Blättern zudecken, blitzt es zwischen dem Häufchen und es liegen zwei Goldstücke darin. Die nahmen unsere guten Vogtländer mit vielem Danke und konnten’s auch gar wohl gebrauchen, denn sie hatten noch ein gutes Stück Weg nach Hause. Zum Andenken an dieses Erlebnis steckte sich ein jeder noch einen Apfel in die Tasche und nahmen ihn mit in die Heimat, wo der Anblick desselben sie oft im Leben hinderte, was Dummes zu fragen und zu erbitten. Zu Golde wurden die Apfel nicht, das brauchten die Gesellen auch nicht, denn sie verdienten durch ihr Handwerk stets ihren Unterhalt.

Der Wanderstab.

Ein Wanderer kroch einst mit vieler Beschwerde unter den wild zusammengehäuften Steinhaufen des einsamsten Gebirges einher. Er mußte, nicht ohne Gefahr, von einem Abgrunde zum andern, von einem Felsen zum andern springen und steile Höhen emporklimmen, während bald wieder ein wilder Gebirgsbach seine Schritte hemmte.

„Es ist nur gut,“ sagte er zu sich selbst, „daß ich meinen treuen Stab mitgenommen habe, der mir schon durch manch langes Jahr gute Dienste geleistet hat.“ Bei diesen Worten setzte er ihn zwischen die Steine, um einen reißenden Bach zu überspringen; aber knacks — brach der Stab entzwei und der Wanderer fiel ziemlich unsanft in den Bach. Ganz durchnäßt sprang er wieder empor; da er sonst keinen Schaden genommen hatte, ärgerte ihn der Verlust seines Stabes am meisten. „Wie soll ich nun von diesen steilen Bergen wieder hinabkommen,“ klagte er, „da ich meiner gewohnten Stütze beraubt bin und auf dieser Höhe nirgends ein Baum gedeiht, aus dessen Ästen ich mir einen neuen Stab schneiden könnte.“

Plötzlich sprach eine scharfe Stimme dicht hinter dem Wanderer: „Was fehlt dir?“

Eine große Gestalt, in einen weiten Mantel gehüllt, stand jetzt neben dem Erstaunten, der sich in dieser wilden Einsamkeit

ganz allein glaubte; der Wanderer aber erholte sich von seinem ersten Schreck und erzählte dem Fremden von seinem unangenehmen Verluste.