„Und darüber wirst du so kleinmütig!“ sagte dieser spottend; „hier hast du meinen Stab, wenn du dich nicht getraust, ohne solchen wieder hinabzukommen!“ Damit entfernte sich der fremde Mann; und wie er so in dem niedrigen Gestrüpp des Knieholzes hinschritt, schien er immer größer und größer zu werden und endlich ganz in Nebel zu vergehen.

Der Wanderer achtete nicht viel darauf, sondern glaubte, die Entfernung oder die Brechung der Lichtstrahlen hätten diese Täuschung hervorgebracht; er war sehr erfreut über den schönen Stab, den der Fremde ihm geschenkt hatte, und schritt dann rüstig weiter. Als er ein Stück Weges gegangen war, fing der Stab an, ihm höchst

beschwerlich zu werden; wo er ihn hinsetzte, glitt er wieder aus und ward dabei immer schwerer und schwerer. Kurz, er diente dem Wanderer nicht mehr zur Stütze, der mühsam die steilen Berge hinabkletterte und den Stab dabei in der Hand trug. Er mußte aber bald mit der rechten, bald mit der linken abwechseln,

so schwer war der Stab, zuletzt legte er ihn gar auf die Schultern und keuchte unter der immer wachsenden Last langsam weiter. Aber auch so ward er zuletzt unerträglich drückend und der Wanderer zog ihn langsam hinter sich auf der Erde fort, wo er oft festgewurzelt zu sein schien und nur mit großer Anstrengung los zu machen war. Endlich geriet der Stab durch Zufall zwischen die Füße des Wanderers, und er umfaßte ihn mit beiden Händen, um nicht zu fallen. Dadurch ritt er förmlich auf dem wunderlichen Stock, und nun flog dieser mit ihm in gewaltiger Eile an den sieben Gründen, der Sturmhaube, dem hohen Rad und den Teichen vorbei, immer wilder, immer schneller. Der Angstschweiß tropfte dem unfreiwilligen Reiter aus allen Poren und er befahl seine

Seele Gott, denn wie leicht konnte der grausige Ritt ihn hinunter in die Schneegruben reißen, wo er gewiß verloren war.

Endlich kam der Wanderer tief unter den Korallenfelsen in die Tannenwaldung und der Stab hielt an. Fluchend warf er ihn weit von sich hinweg und sank ermüdet und halbtot vor Angst auf das Moos in den kühlen Schatten nieder. Kaum aber ward er sich seiner Sinne bewußt, als er seinen alten Stab, den er am Morgen zerbrochen hatte, ganz und unverletzt zu seinen Füßen liegen sah. Fröhlich nahm er ihn auf und wanderte weiter, bis er zu einer schönen Gebirgswiese kam, die den Vordergrund zu einem freundlichen Dorfe gab, das jetzt nahe war. Nun fiel es mit einem Male wie Schuppen von den Augen des Wanderers, daß jener Fremde der Herr des Gebirges gewesen sei; und wie er sich ähnlicher Erzählungen erinnerte, zweifelte er keinen Augenblick, daß der Stab, den er ihm geschenkt, sich gewiß in Gold verwandelt hätte, und darum auch so schwer geworden sei. Eilig lief er zurück, so ermüdet er auch war, hastig durchsuchte er den ganzen Wald, durchspähte den kleinsten Busch, aber — der Stab war nirgends zu finden. —

Die gefärbten Badegäste.

Eine Gesellschaft fröhlicher Badegäste beschloß eines Morgens, noch einmal die Koppe zu besteigen, ehe sie Warmbrunn verließen, um in ihre Heimat zurückzukehren; es wurden Speisen und Weine eingepackt, denn dazumal war man in den Bauden noch nicht auf Bewirtung eingerichtet, Führer und Träger genommen und alsbald aufgebrochen. Der Morgen war schön und die Reisenden waren fröhlichen Mutes; auch die Damen stimmten in den Gesang und das scherzhafte Gespräch der Männer ein. So zogen sie in Giersdorf hinauf, bei der Papiermühle in den Wald und so weiter. In der Schlingelbaude ruhten sie und sprachen den mitgenommenen Speisen tüchtig zu, und dann ging es weiter nach der Hampelbaude. Nun war der schwierigste Marsch überstanden und der Kamm der Koppe bald erstiegen Bei der Teufelswiese gab es viel Gekreisch und Gelächter, denn die weißen Strümpfe der Damen bekamen dort im Sumpfe manchen Schmutzfleck, wenn sie neben die gelegten Steine traten; alles dies erhöhte nur die allgemeine Fröhlichkeit.

Endlich stand die Gesellschaft auf der Koppe und erblickte die Welt im Sonnenglanze zu ihren Füßen; nun stieg ihre Freude an der schönen Reise auf den höchsten Gipfel, und weil sie so sehr vom Wetter begünstigt gewesen waren, auch sonst keinen Unfall gehabt hatten, ergriff ein heiteres, junges Mädchen