Sie war dabei so erwartungsfroh wie ein Kind und ich versprach natürlich mein Möglichstes dabei zu thun. Da stehn sie nun, 3 Rahmen, mit dem königlichen Namenszuge, Adler, Laubwerk u. s. w., ich habe sie vorhin probirt, es ist eine wahre Pracht! – Hast Du wohl beachtet: sie hat merkwürdiges Vertrauen zu mir!

Uebermorgen Abend also glänzende Illumination, und in der Stadt Ball. Zu drei Tänzen habe ich bereits engagirt, Theresen zur Polonaise und Ida zum ersten Walzer und Cottillon. Cäcilie will nicht hingehen, sie wird Burga's und Berga's Kameradschaften mit Kuchen und blanc manger tractiren – Jeder nach seinem Geschmack! – Nach dem großen Tage mehr.

Am 16. October.

Was steckt doch alles in einem und demselben Menschen; ich z. B. bin überraschend vielseitig, es kommt nur darauf an, mich dahin zu stellen, wo etwas fehlt, und man erlebt Staunenswerthes! – Die Tage waren köstlich und ich werde Dir alles getreulich berichten, es ist ein Vergnügen noch einmal Alles durchzunehmen.

Die Transparente waren also zur rechten Zeit fertig und ich glaubte bei den übrigen Vorbereitungen den Zuschauer abgeben zu können, aber weit gefehlt!

Schon am frühen Morgen des 14. begann ein allseitiges Rumoren, die ganze Dienerschaft lief durcheinander, schleppte hierhin und dorthin, schrie und frohlockte, als sei es heute Pflicht und Schuldigkeit Menschen, welche von der Natur mit zarten Gehörnerven versehen sind, zur Verzweiflung zu bringen. Wie die Gräfin dies aushält, dachte ich, wo sie wohl steckt, während dieses Lärmens. – Der Tag war einzig schön, ich öffnete das Fenster, setzte mich daran und begann zu malen. Es ging aber nicht, trotz des besten Willens, so beschloß ich Toilette zu machen und mir den Wirwarr draußen in der Nähe zu besehn, vielleicht daß ich ihm dann mehr Geschmack abgewönne. Aber zum ersten Male sah ich mich hier vernachlässigt, der Toilettentisch entbehrte des Nothwendigsten, wer denkt an den Maler im Dachstübchen, wenn Königs Geburtstag ist! Ich machte mich jedoch bemerklich und klingelte, einmal, und noch einmal, und als das nicht half, lief ich an die Wendeltreppe, und schrie um durchzudringen mit einigem Kraftaufwande erst nach dem Bedienten und dann ganz energisch »Waschwasser!« Leichte Schritte wurden in einem benachbarten Zimmer hörbar, sie entfernten sich, und nichts erfolgte. Nun galt es Geduld zu üben und mit Ergebung abzuwarten, was geschehen würde.

Es dauerte nicht lange und das Zöfchen erschien, nach meinen Befehlen fragend, Frau Gräfin schicke sie. »Frisches Wasser, liebes Kind,« gab ich ganz bescheiden zur Antwort. Also ihre Erlaucht hatte ich vorhin mit meinem Befehle beehrt!

Nach einer Viertelstunde stand ich im Eßsaale, wo aber ein großes Malheur passirt war. Ein ungeschickter Bedienter hatte einen Wandleuchter an Ort und Stelle bringen wollen, sich statt einer Treppe einer Leiter bedient, war damit auf dem geglätteten Fußboden ausgeglitten, niedergefallen, und dabei, um die Sache nicht allein abzumachen, hatte er einen in der Nähe stehenden großen Gypsengel bei einem Flügel ergriffen und ihn glücklich mit zu Falle gebracht. Mit Mienen stummer Verzweiflung umgab das fast vollständig gegenwärtige Dienstpersonal die jämmerliche Gestalt des schwerverletzten Schutzengels, der Sünder selbst stand da, mit leichenblassem Gesichte. Auch die Gräfin besichtigte den Schaden und befahl dann die Figur aus dem Saale zu schaffen, als ich bat die Sache etwas genauer untersuchen zu dürfen. Nun stellte es sich heraus, daß die Zierde des Saales noch zu retten war, zwar mußte der rechte Flügel dreimal gekittet und eine starke Schramme auf der Stirn ausgefüllt werden, aber das war auch das Schwierigste, die andern Defecte waren höchst unbedeutend. Die Gräfin schüttelte anfangs den Kopf zu meinem Entschlusse die Operation zu übernehmen, und meinte ein geflicktes Kunstwerk sei keine Zierde mehr, als ich jedoch erklärte es nicht übel nehmen zu wollen, wenn man den Geheilten verwerfen würde, und betheuerte ich würde nur sehr ungern von der Arbeit abstehen, gab sie lächelnd ihre Einwilligung. – Der Engel genaß vollkommen, jede Narbe verschwand unter einer angemessenen Dosis Marmormehl und am 15. Morgens war ihm von seinem salto mortale nichts mehr anzusehen. Ob nun zum Lohn für diese Kur oder nicht, das kann ich nicht entscheiden, genug, ich wurde eingeladen mit der Herrschaft gegen Abend durch den Park zu fahren, es war ein Genuß, in dieser Gesellschaft und unter den alten prächtigen Bäumen hin, die indessen schon bedeutend gelichtet sind und die reichste Schattirung zwischen Grün, Gold und Purpur bilden. Mehrere dieser Alleen sollten auch illuminirt werden, nur bedauerte die Gräfin, daß man nicht bei Zeiten daran gedacht habe, die Wege vom hochdaraufliegenden Laube säubern zu lassen, es sähe schlecht aus, und lasse sich auch nicht schön darin gehen und sie spaziere doch so gerne bei solchen Gelegenheiten in diesen Gängen, wo sie so viele freundliche Gesichter zu sehen bekomme. Der Graf bedauerte es ebenfalls, konnte aber nur versprechen die dem Schlosse zunächst liegenden Wege sauber herstellen zu lassen, seine Leute hätten schon reichliche Beschäftigung.

Ganz bescheiden wagte ich es mich ein wenig in die Sache zu mischen und fragte, ob die armen Leute in der Stadt wohl nicht gern das Laub wegholen würden, wenn sie nur die Erlaubniß dazu bekämen. »Gern,« erwiederte der Graf, »aber bei solchen Gelegenheiten kennen die Leute nicht Maß noch Ziel. Würde ich die Erlaubniß zu morgen früh ertheilen, so könnte man sicher darauf rechnen, daß noch Mittags, wenn die Gäste kommen, der Schloßberg mit den Laubharkern besetzt ist, und da weiß ich doch nicht was vorzuziehen ist, besonders wenn ich bedenke, daß das Wild durch die Kinder auf mehrere Tage in den Hintergrund des Parkes gescheucht werden wird, wer kann solche verschiedenartigen, zahlreichen Arbeiten hüten?«

Mir fuhr ein komischer Gedanke durch den Kopf. »Ich will's thun, Erlaucht,« sagte ich, »es wird mir ein Vergnügen sein.«