»Ebenso wie mit der Natur?« fragte die Gräfin.
»Ja,« antwortete ich, »gestatten Sie nur daß mir ein bespannter Wagen und eine Menge Säcke zur Verfügung gestellt werden, das Andere werde ich mit Vergnügen besorgen.« – Der Graf fand das zwar unmöglich anzunehmen, aber seine liebe Frau bewies ihm die Möglichkeit ganz einfach.
»Laß dem Herrn nur den Willen,« sagte sie schließlich, »Du hörst wohl, er thut so etwas gern, es ist gewiß wahr, da er es zweimal betheuert, und warum auch nicht? ich kann mir das Geschäft auch ganz nett denken.« – Erlaucht war überwunden.
Gleich nach der Abendtafel eilte ich in die Stadt, mein Plan war schon fix und fertig. Der Bürgermeister sollte eine Anzahl Personen nennen, mit denen etwas aufzustellen war, diese sollten für die Frühstunden des nächsten Tages zum Laubharken geworben werden, und für die Arbeit bekamen sie das Laub bis vor die Thüre gefahren. Bernwacht war im Familienzimmer, dort wurde die Geschichte also verhandelt. »Giebts denn schon was?« fragte Frau Bernwacht ganz erstaunt, wir haben ja noch gar keinen Frost gehabt.
»Aber Kastanien Mama, bedenke Kastanien, die schon ganz kahl sind,« belehrte Berga, »und wie viel ist noch vom vorigen Jahre! Burga und ich wir gehen in der langen Allee manchmal zum Spaß durch das allertiefste Laub, und dann raschelt es sehr, Du solltest mal hören.« Für ihre Vertheidigung der Wichtigkeit meiner Angelegenheit beanspruchte sie für sich und Burga die Erlaubniß mit zu harken, sie könnten das Laub herrlich für ihre Kaninchen zum Einstreuen gebrauchen. Ida meinte: so eine Gräfin ist doch allmächtig, sie darf nur einen Wunsch äußern und man eilt ihn auszuführen und sollte man auch die merkwürdigsten Metamorphosen durchmachen.
»Sanfte, liebenswürdige Damen,« entgegnete ich, »haben über jedes Männerherz zu gebieten.«
»Das ist ja schrecklich,« spottete sie, »da hat ja keine Braut und Frau das Herz ihres Mannes für sich allein; fürchtest Du Dich nicht, Therese?«
»Nicht im Geringsten,« erwiederte diese lachend, »ich werde mich bemühen Theodor als die sanfteste und liebenswürdigste Frau zu erscheinen, dann bin ich, nach eines Kenners Aussage, seiner größten Liebe gewiß.«
»Sehr edel von Dir, dennoch theilen zu wollen,« sagte Ida pathetisch und hob den Kopf gewaltig, »ich meinerseits verlange entweder Alles oder Nichts.«
An solchen Scherzen betheiligt sich Cäcilie nie. Sie sitzt dann ganz ruhig und strickt oder näht, oder zeichnet Muster, aber sie sieht oft aus, als verstände sie von dem, was um sie her vorgeht, nichts, als seien ihre Gedanken weit, weit weg. Ich möchte wohl wissen, wie es in einem Kopfe und Herzen wie dem dieses kleinen Mädchens aussieht.