»Gut verwahrt,« erhielt er lachend zur Antwort.
»Keine Dummheiten!« schalt Jener, »glaubt Ihr denn, wir werden Euch wider Willen die Sachen wegnehmen, die Ihr nicht theilen wollt? Nein, das führte höchstens zu einem Jahre Wolle spinnen in Gesellschaft, aber wir wollen die hübschen Fäßchen ein Bischen erleichtern, und Eure Gesundheit in gekapertem Weine trinken.«
»Geht doch nicht an,« wehrte der Alte, »'s ist gleich zu merken, sie brauchen bloß das Faß anzurühren, so –«
»Giebts denn kein Wasser in der Welt mehr?« unterbrach ihn der Wirth lachend, »nur einen Bohrer her, für das Uebrige werde ich sorgen.«
Der Wächter, nach dem verführerischen Getränke lüstern, war's zufrieden; bald war Wein in Fülle da, und von Neuem begann ein lästerliches Trinken und Durcheinandergerede schlechter Dinge. Ludwig war nur Zuschauer dieser Scene geblieben; das, was er hörte, war ihm ekelhaft, er hätte dies gern gesagt, oder durch sein Entfernen angedeutet, aber er merkte, daß der Wirth noch etwas im Schilde führte, sah deutlich seinen Triumph, als der Wächter, von dem reichlich genossenen Weine betäubt und verwirrt, allmählig ein albernes Gewäsch zu reden anfing, in welches der feine Wirth lustig mit einstimmte, dann mit übersichtigen Augen, wie im Traume, bald hier, bald dorthin starrte, und endlich sich in die Ecke lehnte und einschlief. Jedenfalls wollte er abwarten, wie die Geschichte sich noch entwickeln würde.
»Das hat Mühe genug gekostet,« flüsterte der Wirth und deutete auf den Trunkenen, der von seinen Sinnen nicht wußte, »aber nun schnell, Johann wird längst mit dem großen Wagen draußen halten; ich wußte, wie es kommen würde, und habe meine Vorkehrungen getroffen. Hier ist der Schlüssel, ich stecke die Laterne an und komme nach.«
Ludwig stand noch da, ohne sich zu regen. Ein Rest der alten Gesinnungen war noch vorhanden, eine Scheu warnte ihn, nicht ein so großes Uebel zu thun und wider den Herrn seinen Gott zu sündigen. –
»Alle Mann heran!« scherzte frohlockend der Wirth, und rieb sich die Hände, »das giebt einen köstlichen Spaß!«
»Aber,« wendete Ludwig ein, »Kraaß wird natürlich Alles erzählen.«
»Bewahre!« entgegnete der Andere, »wir rühren hier im Thurme nicht das Mindeste an. Wenn er morgen aufwacht, wird's sein, daß man ihn, entsetzt über den leeren Speicher, herausdonnert. Jeder Mensch wird dem verschlafenen, alten Säufer die Unschuld gleich an der Nase ansehen, und er wird sich hüten, die auf Verdacht anzuklagen, die als Freunde sehr vortheilhaft, als Feinde aber sehr gefährlich sein würden.« –