Ludwigs Abwesenheit vom Schauplatze des Verbrechens zur Zeit des Absterbens des Alten, stellte sich im Laufe der Untersuchung sicher heraus; er ward von der Anklage auf muthmaßlichen Mord freigesprochen. Anders war's mit dem Diebstahle, den er selbst eingestanden, dafür wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt, die er, begleitet von seiner Mutter, die sich nie wieder von ihm trennen wollte, abbüßte. Die alte Frau, vom Untersuchungsrichter empfohlen, fand in der Familie eines Strafanstaltsbeamten ein Unterkommen als Kinderwärterin und durfte täglich ihren Sohn sehen, auch mit ihm Morgens und Abends in dem großen Betsaale des Zuchthauses ihr Gebet mit dem seinigen vereinigen.

Als die Strafzeit zu Ende war, kehrten Mutter und Sohn in die Heimath zurück. Ludwig konnte nach den Gesetzen der Innung nicht Meister seines Gewerkes werden, aber er fand dennoch allerlei Beschäftigung und viel weniger hartes Urtheil, als man gewöhnlich über Gefallene hört. Sein stilles Wesen, sein Fleiß, seine Kindesliebe, und vor Allem seine Demuth und Anspruchslosigkeit söhnten die Menschen mit ihm aus, und seine Mutter fühlte sich so glücklich in seiner Gesellschaft wie nimmer zuvor. –

»Lebt sie noch?« fragte Cäcilie.

»Nein,« antwortete Julchen, »aber Du kennst den Sohn ganz gut, es ist der Missionsbote für unsern Kreis.« –

»Schmidt?« fragten die Mädchen verwundert.

»Ich habe ihn ja immer bei seinem Namen genannt,« erwiederte Julchen lächelnd.

»Es giebt viele dieses Namens, aber nun weiß ich, wovon er es versteht, so wunderschöne ausgelegte Kästchen zu verfertigen,« meinte Ida.

»Und warum er, der geschickte Mann, diese Beschäftigung erwählt hat,« setzte Cäcilie hinzu. »Ja, wie viele Menschen würden wir mit ganz andern Augen ansehen, wenn wir ihre Geschichte so genau kennten.«

»Und ihr Herz,« sprach ich leise.

»Das gehört ja zusammen,« erwiederte sie nachdenklich, »ich glaube wenigstens.« –