»Was, das ist ja die Rosa, die hier so schreit!« rief er. »Die Rosa mitten in der Nacht und im Hemde! Ei der Tausend – was werden die Eltern dazu sagen? Schnell, schnell, zurück ins Bett!«
Flink ergriff er das Kind bei der Hand und zog es mit sich fort dem Hause zu. So schnell mußte Rosa laufen, daß sie ihr Englein aus der Hand fallen ließ. Da half alles Jammern und Schreien nichts – der böse alte Nachtwächter ließ nicht los und brachte Rosa zu den Eltern.
Das Englein war in den Bach gefallen.
Erst drehte es sich ein paarmal im Kreise herum, stieß hier mit einem Flügel, da mit einem Händchen an einen großen Stein – dann ging es heidi! immer weiter, immer weiter, dahin auf den Wellen des Baches.
Als der Morgen graute, schwamm Rosas Englein bereits in einem großen, breiten Strom. Die Sonne beschien seine goldenen Flügel, so daß sie weithin leuchteten.
Das sah aber niemand als der liebe Gott und die Vögel, die über den Fluß dahin flatterten.
Aber um Mittag, als die Sonne schön warm schien, fanden bei einem Dorfe die Fischer in einem ihrer Netze das Puppenenglein, das sich darin gefangen hatte. Sie trauten ihren Augen nicht und wunderten sich und lachten und wollten das Englein mit nach Hause nehmen.
Da schüttelte der älteste Fischer den Kopf und sagte: »Tut das ja nicht! Das bringt Euch Unglück ins Haus. Seht Ihr denn nicht, daß das einer von den geschnitzten Englein von unseres Heilandes Altar ist? Den hat ein Bösewicht gestohlen und ihn dann aus Furcht vor Strafe in den Strom geworfen. Laßt ihn wieder schwimmen.«