Da taten die Männer, was der Alte gesagt hatte und Englein wurde von den Wellen immer weiter getragen, vorbei an Wäldern, Feldern und Ortschaften.
In einer großen, großen Stadt mit vielen Türmen lagen am Ufer des Stromes mächtige Kähne, auf denen allerhand Waren aufgestapelt waren. Da gab es Fässer, und Kohlen und Gemüse. Am lustigsten sah ein Kahn aus, auf dem es nur rotbackige und goldgelbe Aepfel gab.
Und lustig waren die beiden Alten, ein Männlein und ein Weiblein, die ihr schönes Obst an die vorübergehenden Städter verkauften.
Die beiden saßen gemütlich auf dem Vorderteil ihres Schiffes und sonnten sich. Da machte Mütterchen große Augen und zeigte mit der Stricknadel ins Wasser. Und Väterchen rief: »Nanu, was schwimmt denn da?« und versuchte mit einer langen Stange den blinkenden Gegenstand aus dem Wasser zu ziehen. Als es ihm endlich gelang, jubelten die beiden vor Freude und riefen: »Ein Engel! Ein Englein! Das schickt uns der liebe Herrgott – das wird uns Glück bringen!«
Und Mütterchen nahm klein Rosas Puppenenglein auf den Schoß und trocknete ihm mit ihrer Schürze ganz vorsichtig Gesicht und Hände und Füße und ließ die liebe Sonne auf die goldenen Flügel scheinen, daß sie wieder schön sauber und blank wurden.
Wie die Kinder freuten sich die beiden Alten an ihrem Schatz.
Da kam eine schwarz verschleierte Dame auf das Schiff um Aepfel zu kaufen. Die führte an der Hand ein kleines Mädchen mit großen, traurigen Augen.
Als die Kleine das Puppenenglein sah, lachte sie jedoch sogleich und lief eilig darauf zu und rief: »Mutter, Mutter, sieh die reizende Puppe. Bitte, bitte, kaufe sie mir!«
Da sahen die beiden Alten sich an und das Mütterlein sprach: »Mein liebes Kind, das Püppchen ist nicht zu kaufen. Das hat uns eben der liebe Herrgott geschickt.« Da schlich das Kind betrübt bei Seite.