Die Eltern, die der Lärm aus dem Hause gelockt hatte und denen die Reiter nun alles berichteten, konnten sich vor Staunen und freudigem Schreck nicht fassen. Aber sie begannen doch zu weinen, als einer der Männer nun ihren Knaben zu sich aufs Pferd hob und sie eilends mit ihm davonritten.
Aber Gevatter Langbein tröstete sie und sprach: »Ihr seht Euer Mäxchen bald wieder, denn auch Ihr müßt nun in die Hauptstadt ziehen und werdet in einem schönen Hause wohnen und herrliche Kleider tragen und in goldener Kutsche fahren. Ich fliege aber sogleich hinterher und weiche auch ferner nicht von Eures Knaben Seite.«
Mit großen Schritten eilte nun der Gevatter noch einmal ins Häuschen. Dort rieb er mit einem feuchten Waschlappen tüchtig seinen roten Schnabel, daß er schön blank weithin leuchtete, reinigte seinen schwarzen Gehrock von jedwedem Stäubchen und versteckte unter seinem linken Flügel ein Stück Brot, eine Bretzel und eine fette Leberwurst, die für das Frühstück des Bauern auf dem Tische bereit lagen. Er hatte nämlich erfahren, daß es an Königshöfen mit dem Essen gar oft nicht weit her sei.
Dann nahm er gerührten Abschied von den Eltern des zukünftigen Königs Max und heidi – gings im Fluge der Großstadt zu.
Rechtzeitig langte er im Schlosse an, um der feierlichen Handlung beiwohnen zu können. Dort waren die Königin, Minister, hohe Herren und Damen und viel Volks um Mäxchen versammelt, der auf seidenen Windeln in einem goldenen Korbe thronte. Hinter dem Korbe stellte der Gevatter sich auf und machte sein allerwürdigstes Gesicht. Nun sprach der Minister: »Geehrte Anwesende! Unsere Sehnsucht ward erfüllt. Dem Lande wurde der erhoffte Kronprinz bescheert. Das geweissagte Wunder ist geschehen. Hoch unser kleiner Kronprinz Max!«
»Hoch! Hoch! Hoch!« jauchzte es durch den Saal.
Da wurden einige Stimmen laut und riefen: »Wie geschah denn das Wunder? Laßt es uns wissen.«
Alles schwieg.
Endlich trat Langbein vor, verneigte sich und erzählte wie er dem Kindlein die Krone gebracht habe.