Nun konnten die kleinen Elflein sich nicht genug tun mit Bedauern und Streicheln und »ach! und oh!«

Die arme Kranke saß mitten unter ihnen auf einem Baumstumpf und weinte bitterlich. Als dann endlich der Doktor Humpelpumpel kam, wußte Flipsius sogleich, daß er zum Geschlecht der Zwerge gehörte und warum er den Namen Humpelpumpel führte. Er hatte einen kurzen Fuß und humpelte ganz fürchterlich. Dafür aber hatte er eine riesengroße, spitze Nase und sah dadurch sehr gescheit aus. Er besah sich sofort das kranke Auge, runzelte die Stirne, pfiff durch die Zähne und lachte.

»Da haben wir ja schon den Schaden! Einen Augenblick!« Mit spitzen Fingern griff er zu. Elflein schrie herzzerreißend.

»Da, da ist das ganze Malheur – ein Spinnenbein war im Handtuch gehängt und hat sich im Augapfel festgehakt!« sagte er. »Ich habe es natürlich sofort entdeckt!« Stolz warf sich Dr. Humpelpumpel in die Brust. »Morgen früh komme ich wieder nachsehen. Bis dahin kühlen Sie das Auge nur weiter, mein schönes Fräulein!« Hier machte er eine herrliche Verbeugung und verschwand.

»Ein Spinnenbein!« riefen die Elfenfreundinnen. »Wer hätte das gedacht? Ja, ja, man kann nicht vorsichtig genug sein!«

Nun wartete Flipsius bis das ganze kleine Volk sich in den Schatten verkrochen hatte, dann ging er vergnügt heim. Was er erlebt hatte, das sah doch nur ein Sonntagskind. Wie gut ist's, am Sonntag geboren zu sein!

Als er am nächsten Morgen wieder ganz leise in sein Versteck kroch und durch die Blätter äugte, saß Elflein schon auf seinem Baumstumpf mit einem großen Verband über dem Auge und wartete auf seinen Leibarzt. Hin und wieder stöhnte es leise und seufzte ein wenig. Als endlich der Herr Doktor erschien im schönen, neuen, hellgrauen Sommeranzug, da ließ Elflein gar das Köpflein tief auf die Brust sinken und tat als wenn's mit ihm zu Ende ginge. Der Herr Doktor lächelte und streichelte ein ganz klein wenig das Händchen der Patientin. Dann entfernte er den Umschlag.

»Ja,« rief er, daß es laut im Walde widerhallte, »ja, was wollen Sie denn, teures Fräulein? Das Auge ist durch meine Pflege ja vollständig gesund. Da ist keine Spur von einer Erkrankung mehr zu sehen. Es ist genau so lieblich und schön himmelblau wie das andere Auge auch!«

Da plinkte und blinzelte Elflein ein wenig und sagte: »Wenn ich doch aber lange nicht mehr so gut sehe wie vorher! Das ist doch schrecklich!«

»Nun, eine kleine Sehschwäche bleibt nach solchen Verletzungen ja gerne zurück. Aber, schönes Fräulein, wozu haben Sie denn den berühmten Geheimen Sanitätsrat Professor Doktor Humpelpumpel zum Arzt? Ich weiß auch hier Rat. Sehen Sie einmal her. Sehen Sie einmal auf dieses Blatt am Boden – hier – und nun betrachten Sie das gleiche Blatt hier an der Stelle wo der Wassertropfen liegt. Sehen Sie es da nicht viel deutlicher?«