»Freilich,« meinte Elflein. »Das ist mal nett. Das hatte ich noch nie bemerkt. Aber was soll mir das helfen? Ich kann doch nicht die ganze Welt durch dies Tröpflein betrachten!«

»Doch, doch, das ist's ja eben, meine Gnädige. Die Wissenschaft macht sich dies Tröpflein zu Nutze. Das heißt: Die Wissenschaft bin in diesem Falle ich. Mit Hülfe solches Tröpfleins stelle ich einen Sehapparat her – ein Guckerohr. Passen Sie auf.«

Er nahm vom Boden ein dünnes hohles Aestlein, tat einen Tautropfen hinein, ließ ihn nach vorne an die Spitze der Röhre gleiten, sah hindurch und rief: »Famos, famos! Schauen Sie einmal hindurch!«

Das tat Elflein nun und war begeistert.

»Doktor, Doktor, Sie sind ein Schatz! Wenn ich Sie nicht hätte!« jauchzte sie und gab ihm einen herzhaften Kuß.

Humpelpumpel stand erst wie versteinert. Dann reckte er sich stolz über Lebensgröße. Einen Elfenkuß hatte er doch noch nie bekommen. Als der Doktor gegangen war, lief Elflein mit seinem Guckerohr hin und her. Sah in den blauen Himmel, in die Berge hinein und wollte nun auch einen Blick ins Tal werfen. Dazu erklomm es einen kleinen runden Hügel, der ganz und gar mit einem grünen Moosteppich überzogen war. Sie erklomm ihn und trippelte munter darauf herum. Hätte sie geahnt, woraus der Hügel bestand, sie hätte es nicht getan. Sie hätte großes Unglück verhütet.

Solange es eben ging, hielt Flipsius sich tapfer. Als aber die kleinen zierlichen Füße der Elfe gar zu lebhafte Sprünge machten, hielt er es nicht länger aus und mußte laut lachen. Er war eben wie die meisten Menschen kitzelig und der kleine, runde Hügel, auf dem Elflein stand, war sein Bauch, der in einer grünen Sammetweste steckte.

Kaum hatte er das schallende Gelächter ausgestoßen, da stürzte Elflein vor Schreck von seinem schönen Aussichtshügel herunter und als es davoneilen wollte, schrie es laut auf. Es konnte ja nicht aufstehen. Es hatte sich bei dem Sturze den Fuß gebrochen. Zum Glück hatte Dr. Humpelpumpel den Schrei noch vernommen und kehrte eilig zurück. Als er aber den großen bärtigen Mann im Grase sitzen sah, erschrak er heftig und wollte davoneilen, aber die Kleine machte so flehende Augen, daß er sich überwand, zu ihr eilte und sie auf seinen Armen in das Dickicht trug.

Da saß nun Flipsius, das Sonntagskind und grämte sich über das Unheil, das er angerichtet hatte.

»Schade! Schade!« murmelte er und ging betrübt nach Hause. Dort überlegte er noch einmal das ganze Erlebnis und als er an das Guckerohr dachte, das Humpelpumpel aus einem Aestchen und einem Tautropfen gemacht hatte, kam ihm ein guter Gedanke. Er konnte ja so viele schöne Dinge aus Glas machen – warum sollte er nicht auch einen schönen, klaren, großen Tropfen schleifen können?