Sogleich ging er an die Arbeit und siehe – in wenigen Wochen war das Kunstwerk gelungen. Den Glastropfen faßte er in eine blanke Metallröhre und Flipsius wurde nun weit und breit als Erfinder des Fernrohres geehrt und bewundert. Von Dr. Humpelpumpel, der doch eigentlich zuerst auf den Gedanken gekommen war, wußte niemand. So ergeht es eben den meisten Erfindern auf dieser Welt.
Wollt Ihr Euch solch ein gläsernes Tröpflein einmal genau betrachten, so seht nur das Theaterglas an, das Mutter im Beutel hat, wenn sie schön geputzt in die Oper geht – oder Vaters Brille, die hat zwei solche geschliffene Glastropfen.
Berggeistchens Talfahrt.
Auf den höchsten Höhen des Gebirges, dort, wo ewiger Schnee und ewiges Eis leuchten, herrscht der Berggeist. Kein menschliches Auge hat ihn je gesehen, aber die Bäche, die von dort oben mit Donnergepolter heruntertosen, die erzählen, daß er einen langen, silberweißen Bart hat und sein Gewand so grau ist wie das älteste Gestein. Auf dem Haupte trägt er eine Krone von leuchtenden Bergkrystallen. Er regiert dort oben über Wetter und Winde, über Blitz und Donner. Und damit er seinen Willen weithin über alle Gipfel kund tuen kann, hat er unter sich viele, viele kleine, drollige Berggeistchen, die müssen für ihn laufen und springen. Müssen das Echo wecken, wenn es eingeschlafen ist und die breiten, schimmernden Nebeltücher hin und her ziehen, vor die Sonne und wieder zurück, ganz wie der alte Berggeist befiehlt.
Sie haben einen strengen Dienst, die Kleinen, und wenig Zeit für ihre eigenen Späßchen und Vergnügungen. Am meisten freut es sie, wenn sie Schneebälle den Berg hinuntertrudeln lassen dürfen. Die machen dabei so lustige Hopser und Sprünge und werden im Hinabrollen größer und größer, bis sie so groß sind, wie ein Haus. Dann stürzen sie mit Donnergepolter ins Tal hinab und nehmen dabei Felsen und Bäume mit. Die Menschen nennen einen solchen Riesenschneeball Lawine und haben große Angst davor. Nun war einmal unter der Schar der Berggeistchen ein besonders pfiffiger und lustiger. Dem wurde es bei der vielen Arbeit und dem ewigen Hin- und Herlaufen zu langweilig. Besonders seit er einmal ein Menschenpaar gesehen hatte, das mit Eispickel und Stöcken bewaffnet, jubelnd und jauchzend auf der allerhöchsten Bergspitze gestanden war. Da packte ihn die Sehnsucht, mehr von der Welt zu sehen als nur die öden Gebirgshöhen. Er wollte in das Tal hinab, woher die lustigen Menschen gekommen waren. Aber wie sollte er das anfangen?