Der liebe Gott aber sprach: „Wenn euch nur das zu eurer vollkommenen himmlischen Seligkeit mangelt, dann hoffe ich, euch euren Wunsch erfüllen zu können. Denn ich glaube, daß es meiner Allmacht gelungen ist, unter den Milliarden meiner Geschöpfe irgendwo einen so blitzdummen Kerl zu erschaffen, der euch Genüge leisten kann. Es handelt sich jetzt nur darum, dieses hervorragende und illustre Rindviech zu finden. Alsodann müßet ihr euch nur noch gedulden, bis besagtes Hornvieh seine irdischen Tage vollendet hat und eurer auserlesenen Korona im Himmel beigesellet werden kann. Da jedoch Erdenzeit im Vergleich zu der Ewigkeit ein flüchtiger Augenblick ist, wird die Erfüllung eures Wunsches nicht lange auf sich warten lassen. Ich will sogleich eine himmlische Botschaft entsenden, die euch den dümmsten Heiligen suchen soll. Meine drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael will ich mit dieser erhabenen Sendung betrauen.“

Der liebe Gott winkte den Abgesandten der Heiligen ihre gnädigste Entlassung zu. Diese stimmten einen begeisterten Jubelchor zu seiner Lobpreisung an und verbreiteten die Nachricht im ganzen Himmel, daß die Bitte gewähret worden war.

[ Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius entdeckten.]

Die drei Erzengel rüsteten sich auf das Geheiß des lieben Gott zu ihrem Flug nach der Erde, um dort unter den übrigen unzähligen Rindviechern das größte, ungeheuerlichste und gewaltigste Rindviech zu finden.

Da es sich um eine der feierlichsten Botschaften handelte, wählten sie zu diesem Behufe ganz besonders festliche Flügel. Der Erzengel Michael zog ein himmelblaues Gefieder an, der Erzengel Gabriel ein rosenrotes und der Erzengel Raphael ein smaragdgrünes. Sämtliche Heilige, Patriarchen und Propheten geleiteten die drei Erzengel ans Himmelstor und sahen mit unendlichem Entzücken, wie sie, in ihren leuchtenden Farben zu gewaltigem Fluge ausholend, gegen die Erde niederschwebten.

Nachdem die himmlischen Sendboten ihre Fußstapfen auf die Erde gesetzet hatten, mußten sie lange wandern, Wochen und Monate lang, ehe sie ihr Ziel erreichten, einen dummen Heiligen zu finden.

Mehrmals glaubten sie schon, den Richtigen entdeckt zu haben. Aber da trug es sich immer wieder zu, daß er entweder zu wenig dumm oder zu wenig heilig war.

Schon begannen die drei Erzengel an einem Gelingen ihrer Sendung zu verzweifeln, als sie eines schönen Tages in eine Ortschaft kamen, wo sie erfuhren, daß dort ein heiligmäßiger Mann lebe, der entsetzlich dumm sei. Er komme überhaupt nicht aus seinem Gelasse heraus, in dem er Tag und Nacht hause.

Die himmlischen Sendboten fanden den Mann in einem düsteren Gewölbe, von dem nur ein einziges vergittertes Fenster ins Freie führte. Die Spinnen hatten ihre Netze über Ecken und Wände gezogen, und es roch in dem Raume gar nicht auferbaulich nach Schimmel, Schmutz und wenig holdseligen Düften.