Die höchste Erleuchtung kam aber dem Heiligen, als er sich zu einem guten Ende auf eine der geheimsten Skripturen mit dem Sitz seines Verstandes hockte. Allda entstund ein so herrlicher Abdruck, daß dessen Majestät keinem fürstlichen Sigillum verglichen werden konnte.

Voll inbrünstiger Andacht beschaute der heilige Bürokrazius die ebenbildlichen epitaphia seines Daumens und seiner Zehen, seiner Rüsselnase und seines Verstandestempels. Dann stieß er den jubelnden Ruf aus: „Heureka! Ich habe es gefunden!“

Es wurde dem heiligen Bürokrazius klar wie zehntausend Talglichter, daß er sich für alle Zukunft nicht mehr so arg mit der Schreibarbeit zu peinigen brauchte.

Fürderhin verschob er die Unterzeichnung weniger eiliger Skripturen auf die vormittägliche Speckzeit. Die Nase funktionierte zu allen Tageszeiten. Den Fußbädern schwor er zeitlebens ab. Und für die Unterzeichnung besonders geheimer Skripturen durch den Abdruck seines heiligen Verstandeszentrums war auch immerdar genug einprägsame Druckfähigkeit vorhanden.

Als der heilige Bürokrazius seinem Kollegen, dem heiligen Stultissimus, seine allerneuesten himmlischen Eingebungen eröffnete, brach der heilige Stallmeister des Amtsschimmels in die uns genau überlieferten und durch den heiligen Bürokrazius mit seinem größten Sigillum beglaubigten begeisterten Worte aus: „O du himmlischer Roßknödel! So was kann auch nur einem derartigen Rindviech einfallen, wie du eines bist!“

Wenn der heilige Bürokrazius an der Fürtrefflichkeit seiner Erfindung auch noch den geringsten Zweifel geheget hätte, so wäre derselbe durch oben zitierte unumwundene und feierliche Anerkennung seines Mitheiligen gründlich zerstreuet worden.

Nun hast du aber, o liebenswürdiger Leser, die Bedeutung der Erfindung des heiligen Bürokrazius offenbarlich noch nicht vollständig erfasset. Ich will dahero deinem nachhatschenden Begriffsvermögen erbarmungsvoll auf die Vorder- und Hinterbeine helfen. Denn ich muß dir ja auf vier Beine helfen. Du verstehest mich doch, wie das gemeinet ist, und bist dir über deine Stellung in der Zoologia klar.

Der Speck des heiligen Bürokrazius hat zum Daumenabdruck des Heiligen geführet und ist also zur Urform der Stampiglie geworden. Beim heiligen Daumen des heiligen Bürokrazius sage ich dir dahero, geneigter vierfüßiger Leser, daß diese Urform der Stampiglie der glorreiche Ausgangspunkt für die Erfindung der Stampiglien überhaupt geworden ist.

Und jetzo bedenke, o du mein nachdenksames hochverehrtes quadrupedales Publikum, wo wir wären, wenn der heilige Bürokrazius durch seinen halbmittäglichen Speck nicht die Stampiglien erfunden hätte. Er und seine Jünger wären durch die Überanstrengung ihrer Schreibarbeit längst den Weg alles Irdischen gegangen. Sintemalen der Verstand des heiligen Bürokrazius sich stets im Sitzen, dahero durch eine nach unten drückende Bewegung dokumentierte, was war selbstverständlicher, als die Verfügung des Heiligen, es möge sich auch der Verstand seiner Jünger, so seine Erbschaft antraten, in einer nach unten drückenden Bewegung zeigen! Und welches instrumentum wäre hiezu geeigneter und berufener denn eine Stampiglie?

Durch das erhabene Vermächtnis des heiligen Bürokrazius bewegen sich die Gedankenkreise seiner Jünger vornehmlich in Stampiglien. Dadurch brauchen sie die kostbaren Gefäße ihrer Denkfähigkeit nicht immerwährend zu strapazieren, sondern können sich sonder Überanstrengung des Geistes auf die Druckfähigkeit der Stampiglien verlassen.