Patscheider füllte sich zuerst sein Weinglas nach, tat einen tüchtigen Schluck daraus, schenkte sich wieder ein und erklärte dann mit lauter, fester Stimme: „Ich sag’, das ist ein Blödsinn!“
„Wieso ein Blödsinn?“ frug der Apotheker bestürzt. „Die Kunst und ein Blödsinn!“
„Nein, nit die Kunst, aber der Brief von Felix Altwirth. Das ist alles für die Katz’, was er da schreibt!“ sagte der Kaufmann bestimmt.
„Ja ... aber ...“ entgegnete der Apotheker hilflos.
„Schreiben’s dem Felix, er soll bleiben, wo er ist!“ fuhr der Patscheider in entschiedenem Tone fort. „Wenn er in München ein G’schäft macht, nacher ist’s gut. Bei uns da macht er doch kein G’schäft. Das kann ich ihm schon zuerst sagen.“
Den Doktor Rapp trieb es wieder, den Patscheider zu hänseln. „Also Sie täten ihm kein Bild abkaufen, Herr Patscheider, nit wahr?“ frug er anzüglich.
„Etwa Sie?“ versetzte der Patscheider trocken.
Nun mußten sie alle lachen am Stammtisch. Es war allgemein bekannt ... so tüchtig Doktor Rapp als Rechtsanwalt in jeder Hinsicht war, so wenig Zeit und Sinn hatte er für die Kunst. Im Theater war er nur höchst selten zu sehen, und eigentlich nur dann, wenn er aus Rücksichten der Repräsentation hineingehen mußte. Von der bildenden Kunst verstand er überhaupt nichts und machte auch kein Hehl daraus. Seine einzige Lektüre waren die politischen Tageszeitungen und die Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Rechtspflege.
Literatur und Kunst waren nach der Meinung des Advokaten Doktor Valentin Rapp höchst überflüssige Dinge, mit denen sich Männer gar nicht abgeben dürften. Die boshafte Gegenfrage des Kaufmanns war daher sehr treffend und zeigte, wie genau der Patscheider seinen Gegner kannte.
Aber Doktor Rapp wußte sich zu helfen. Er parierte geschickt den Hieb, den ihm der Patscheider versetzen wollte, und sagte mit drolligem Humor: „O ja, ich schon ... Ich tät’ mir den Herrn Patscheider porträtieren lassen, und tät’ mir ihn übern Schreibtisch aufhängen, damit ich ihn nit vergess’.“