Ein allgemeines schallendes Gelächter war die Antwort. Sogar der Patscheider mußte über den Einfall lachen und verzichtete darauf, den Gekränkten zu spielen, wie er es sonst bei solchen Redensarten zu tun pflegte.
Die Herren am Stammtisch beim Weißen Hahn unterhielten sich noch lange über Felix Altwirth und seine Pläne. Der Professor Haidacher meinte, daß er für seinen Teil schon dafür wäre, die Angelegenheit einmal näher zu erörtern. Der Herr Professor war ein älterer Mann. Groß, glatt rasiert und ziemlich korpulent. Er war für gewöhnlich ein sehr schweigsamer Gast und hörte gleich dem Herrn Rat lieber zu, wenn die andern sprachen.
„Da gibt’s gar nichts zu erörtern!“ fiel ihm Herr Patscheider energisch ins Wort. „So was ist ein Blödsinn, und damit basta! Der Felix Altwirth soll bleiben, wo er ist!“ entschied er.
„Jetzt hören’s mir aber auf, Herr Patscheider!“ sagte da der Doktor Rapp in bestimmtem Tone. „Das geht denn doch zu weit! Wie kommen denn Sie überhaupt dazu, einem Innsbrucker Künstler seinen Heimatsort zu verbieten? Das geht doch Sie gar nichts an, wenn der Maler Altwirth daher kommen will. Das ist seine Sach’. Eine rein persönliche Angelegenheit!“ Doktor Rapp betonte jedes Wort ausdrücklich, als spräche er vor einem hohen Gerichtshof.
„Aber das ist unsre Sach’, die mit dem Kunsttempel!“ widersprach der Patscheider hitzig. „Zügeln’s ihn nur her, Ihneren Maler, dann ...“
„Aber meine Herrn, meine Herrn!“ beschwichtigte der Apotheker ängstlich. „Nur keine Aufregung! Nur keine Aufregung!“
Der Direktor Robler, ein großer, knochiger Mann mit schönem, weißem Haar und Bart, einer goldumränderten Brille und dickem Hals, der durch den niedern Umlegkragen ganz besonders voll zur Geltung kam, meinte in ruhigem, überlegenem Ton: „Ja, so fangt’s doch nit zu streiten an! Es wird ja schon bald ungemütlich!“
„Und überhaupt bin ich der Ansicht,“ ergriff jetzt der Baurat Goldrainer das Wort, „daß es immerhin als eine Auszeichnung für eine Stadt aufzufassen ist, wenn sich ein Künstler in ihr niederlassen will.“
„Ganz meine Ansicht! Ganz meine Ansicht!“ pflichtete ihm der Professor Haidacher bei. Die beiden Herren erhoben ihre Gläser und nickten sich gegenseitig Beifall zu.
Patscheider machte eine geringschätzige Handbewegung und sagte: „Das kennen wir schon. Auszeichnung hin oder her. Ihr werdet’s alle noch an meine Worte denken. So wird’s kommen und nit anders. Wenn der Altwirth da ist, dann haben wir einen Raunzer mehr in der Stadt. Da hätten wir alle Augenblick’ wen neuen, dem was eing’fallen ist. Das kennen wir schon! Tut’s ihn nur her, euern Maler! Nacher könnt’s schauen, wie’s ihn wieder loskriegt’s!“ sagte der Patscheider und machte ein Gesicht und eine Bewegung mit der Hand, die andeuten sollten, daß er den Fall für erledigt betrachte.