Die Herren waren alle etwas nachdenklich geworden. Später dann fing der Doktor Rapp an, die Wirtin zu necken wegen des neuen Fasses Wein, von dem sie heute am Stammtisch die Kostprobe erhalten hatten.
„Wie viel Liter Wasser haben’s denn nachgossen, Frau Buchmayr?“ frug er und hielt sein Glas gegen das Licht, um die Farbe zu prüfen.
„Naa, aber Herr Doktor!“ wehrte die Wirtin lachend. „Für Ihnen werd’ i extra den Wein wässern lassen!“
„A Sauremus ist’s!“ konstatierte der Advokat und schnalzte mit der Zunge. „Da muß Salz oder sonst ein Teufelszeug drin sein! Schlecht ist er!“ meinte er mit neckischem Ernst.
Die Wirtin wußte es schon, wie hoch sie die Frozzeleien des Rechtsanwalts zu bewerten hatte. Es verging kein Abend, an dem der Doktor Rapp nicht einen neuen Grund zu fröhlicher Nörgelei gefunden hätte.
„Ja, aber, um wieder auf den Felix Altwirth zurückzukommen,“ begann der Direktor Robler dann nach langer Pause neuerdings. „Das mit dem Kunsttempel, das will mir auch nicht ganz einleuchten. Das ist doch eigentlich eine öffentliche Angelegenheit, über die noch ganz andere Faktoren zu entscheiden haben. Nicht wahr, Herr Tiefenbrunner?“
„Das stellt sich der Herr Altwirth recht einfach vor!“ sagte der Baurat Goldrainer, „das ist aber gar nicht so einfach. Nicht wahr, meine Herrn?“
„Freilich, freilich!“ beeilte sich der Apotheker beizustimmen.
Es reute ihn schon längst, daß er den Brief seines Neffen überhaupt hier öffentlich vorgelesen hatte. Das war nicht diplomatisch gewesen. Gar nicht. Er hätte die Herren doch kennen müssen und hätte es wissen sollen, daß sie in der Sache doch leicht ein Haar finden konnten, um sich gegenseitig zu befehden. Er hätte einen jeden einzelnen von ihnen vornehmen sollen, um mit ihm über die Angelegenheit zu sprechen. Das wäre das einzig Richtige gewesen.
„Und überhaupt, meine Herrn,“ sagte der Apotheker, „ist’s ja bis dorthin noch lange hin. Zuerst muß ja der Felix herkommen und sehen, wie’s ihm da g’fallt. Dann kann man über das andere reden. Nit früher.“