„Laß dir nix g’fallen, Diandl!“ riefen einige unter ihnen. „Wir helfen dir!“
Und wirklich kamen sie dem Mädel zu Hilfe. Von rückwärts packten sie den Karrner an. Das brachte den Gaudenz völlig zur Raserei. Er ließ plötzlich von dem Mädel ab und lief zu der Gruppe seiner Kinder hinüber, wo die Peitsche lag. Im Laufen versetzte er dem Tonl, der ihm nicht rasch genug auswich, einen Stoß, daß der kleine Kerl gegen ein Wagenrad kollerte.
Zitternd verkroch sich das Bübel unter den Wagen und beobachtete ängstlich, was der Vater nun beginnen würde. Die Karrnerkinder rannten, als sich der Vater näherte, kreischend und heulend auseinander und flüchteten in das Innere des Wagens zur Mutter.
Benedikta Zöttl kam, den Säugling noch immer krampfhaft an der Brust haltend, aus dem Wagen, und schimpfte mit keifender Stimme: „Laß mei Madel in Ruah, du Ruach, du gottverlassener!“
Aber Gaudenz Keil kümmerte sich nicht darum. Mit der Peitsche hieb er auf die fremden Kinder ein, die sich mitleidig über das mißhandelte Kind beugten. Nun rannten die Kinder geängstigt davon, hinein in die Stadt, um dort Hilfe zu holen gegen den wilden Mann.
Gaudenz Keil drosch jetzt stumm, verbissen und zähneknirschend mit der Peitsche auf das Mädel, so daß sie wund vor Schmerzen laut aufheulte. Dann krallte sie sich mit den Händen in den vom Regen aufgeweichten Erdboden. Nein, er sollte und sollte es nicht merken, wie weh er ihr tat, dieser Mann, den sie haßte mit der ganzen Inbrunst ihres jungen, stürmischen Herzens. Sie krallte ihre Hände in die Erde, so fest sie konnte, und biß sich die Lippen blutig.
Die Karrnerkinder lugten neugierig aus den Fenstern. Ein paar wagten sich sogar heraus und schrien dabei in allen Tonarten aus lauter Erbarmen mit der Sophie. Schips, der Hund, sprang winselnd und schweifwedelnd an der Karrnerin empor, als wollte er sie für das arme Mädel um Hilfe betteln.
Der Tonl in seinem Versteck unter dem Wagen verhielt sich mäuschenstill. Dicke Tränen kugelten ihm über die blassen Wangen, und die kleinen Hände waren wie vor Schmerz ineinander verkrümmt.
Immer unmenschlicher hieb der Karrner auf das Mädel ein. Wie eine Furie stürzte sich nun die Benedikta auf den Mann. Den Säugling legte sie vorerst in sicherer Nähe des Wagens nieder, wo ein trockenes Plätzchen war. Und dann fiel sie gleich einer Tigerin von rücklings über den Gaudenz her.
Sie umklammerte ihn und preßte ihm mit festem Griff den Hals zu, so daß er von dem Mädel ablassen mußte und mit den Fäusten taumelnd in die Luft faßte. Aber nur einen Augenblick. Dann packte er das Weib. Mit eiserner Faust zwang er sie zu Boden. Und mit den groben genagelten Stiefeln trat und stieß er sie und zerrte sie dann durch den Schmutz hinüber gegen den Wagen.