Elftes Kapitel.
Frau Therese Tiefenbrunner brachte es tatsächlich zustande, daß der Herr Patscheider seine Mithülfe zusagte. In einem der größten Säle wurde endlich die Ausstellung veranstaltet.
Felix schwelgte in Glückseligkeit. Auf den Rat seiner Frau war er mit der Wahl seiner Werke sehr vorsichtig gewesen. Es waren hauptsächlich Landschaften und einzelne Porträtstudien. Lauter gute und wertvolle Bilder. Bilder, die ein großes Können, eine feine Beobachtung und kühne Auffassung verrieten. Aber sie gefielen dem Patscheider trotzdem nicht. Weder ihm, noch den meisten der andern, die zur Besichtigung der Ausstellung sich eingefunden hatten.
„Es ist doch ein verrücktes Zeug!“ behauptete der Patscheider. „Wär’ er g’scheiter in München blieben, er paßt nit herein zu uns!“
Auch die Kritik der Lokalblätter verhielt sich kühl und ablehnend, und der Erfolg, den die Ausstellung hatte, war gleich Null.
Ein einziges Bild wurde verkauft, und das am allerletzten Tag der Ausstellung, da Felix und Adele schon jede Hoffnung auf einen materiellen Ertrag aufgegeben hatten.
Das Bild war eine feine Landschaft, und der Erlös daraus sicherte die Existenz des jungen Künstlerpaares für die nächsten Monate. Es war ein großer Freudentag für Felix und Adele. Ein Tag, an dem ihnen die Hoffnung auf kommende bessere Zeiten wieder Kraft und Mut verlieh.
Der alte Rat Leonhard war der Käufer dieses Bildes gewesen. Es gefiel ihm zwar nicht, aber er kaufte es trotzdem. Er kaufte es, weil es das teuerste unter allen Bildern war. Er wußte auch nicht, was er damit anfangen sollte. Aufhängen mochte er es nicht, und er hätte auch keinen Platz dafür gehabt. Um es in einen Kasten zu legen, dafür war das Bild entschieden zu groß. Die Frage der Aufbewahrung kostete dem alten Herrn viel Kopfzerbrechen. Fast soviel, als es ihm Selbstüberwindung und schwere Seelenkämpfe verursacht hatte, sich zu dieser entscheidenden Tat aufzuraffen.
In dem geheimsten Winkel seiner Seele war der Herr Rat nämlich ein alter Geizhals. Er sparte, sparte für sich selbst und gönnte sich nur das Allernotwendigste. Für so etwas wie Kunst hätte er unter normalen Umständen keinen Kreuzer übrig gehabt. Aber der alte Herr Rat war nicht mehr ganz geistig normal. Wenigstens fing er das jetzt selber zu glauben an, nachdem er sich zu dieser kühnen Tat durchgerungen hatte.