Ganz schrill klang diese sonst so behagliche, fettige Stimme, und rasch und überstürzend kamen die Worte aus dem Munde der Frau Therese Tiefenbrunner ... „Was glabst denn du, ha? Vom Dreck hab’ i di außer zogen, di und dei’ Muatter! Nix hast g’habt! Nix bist! Alles, was du bist und hast, verdankst du mir und mein’ Mann! An Herrn haben wir aus dir g’macht, an Maler, an feinen! Freilich, daß der Herr Neffe nix zu arbeiten braucht! Warst a Schreiber g’worden oder a Schuster oder a Schneider, dös war g’scheiter g’wesen! Da hattest immer an Arbeit g’funden. Oder warst an Apotheker g’worden! Aber natürlich, dös hat ihm nit gepaßt, dem Herrn, dem noblen! Arbeiten, dös ...“

„Hinaus! Auf der Stelle hinaus aus meinem Zimmer!“ rief nun Felix in höchster Erregung. „Ich werf’ dich hinaus, wenn du nicht freiwillig gehst! Ich ...“

„Felix, lieber Felix, ich bitte dich!“ Es war Adele, die sich ins Mittel legte. „Sie meint’s ja nicht so! Schau, sie ist ja nur zornig. Es reut sie ja alles wieder, was sie gesagt hat. Nicht so bös sein. Nicht so bös reden. Es muß ein Mißverständnis vorliegen. Irgendetwas, das ...“

„Gar kein Mißverständnis liegt vor!“ sagte die Apothekerin, die jetzt bedeutend ruhiger geworden war. Die vernünftige Sprache der jungen Frau hatte auch ihr wieder die Besinnung gegeben.

Adele hatte schmeichelnd und wie schützend ihren Arm um den Hals des Gatten gelegt und umschlang ihn nun mit beiden Armen weich und innig, als wollte sie durch ihre warmherzige Güte das bittere Weh dieser Stunde aus seinem Leben bannen.

Mit guten Worten und viel Zureden erreichte sie es auch, daß der endgültige Bruch zwischen Tante und Neffe verhindert wurde ...

Frau Adele hatte sich durch ihre Vermittlung kein besseres Leben eingetauscht. Wohl hatte sie jetzt nicht mehr mit der Not zu kämpfen. Frau Tiefenbrunner sorgte gut und anständig für die Altwirths. Sie gab ihnen alles Geld, das sie zu ihrem Unterhalt brauchten, und sie bestand darauf, daß sie es nahmen.

Es war hart für die Altwirths, diese Gaben von der Apothekerin anzunehmen. Sie fühlten es tief. Es demütigte sie beide, und doch forderte es die Not und der Selbsterhaltungstrieb, daß sie es taten.

„Wir werden es ihr zurückzahlen, wenn wir einmal Geld haben!“ versuchte die junge Frau ihren Gatten zu trösten.

Felix aber schüttelte traurig den Kopf: „Wir werden nie Geld haben, Adele. Gar nie!“ sagte er niedergeschlagen. „Es ist wie ein Fluch, der auf mir lastet.“