„Was ich noch sagen wollte, Herr Altwirth ...“ sprach der Rat Leonhard. „Sie werden jetzt keine Zeit haben, ha?“

„Ich? O gewiß, Herr Rat. Leider nur zu viel Zeit!“ entgegnete Felix mit ironischem Lächeln.

„So! Hm! Nacher ist’s schon recht!“ meinte der alte Herr und nickte zustimmend mit dem Kopf. Dann sah er den Maler mit einem recht süßsauern Gesicht an und schluckte wiederholt krampfhaft, als ob ihm etwas im Halse stecken geblieben wäre. „Dann können’s ja gleich anfangen mit einem Porträt von mir ...“ kam es etwas gepreßt heraus. „Wissen’s, mei’ Schwester, die drängt alleweil, ich soll mich malen lassen. Ich tu’s nit gern,“ bekannte er ehrlich, „aber einmal muß es doch sein. Sagen’s mir halt, wann ich kommen soll zur Sitzung.“

Es war dem Rat Leonhard wirklich sauer geworden, Felix Altwirth diesen Auftrag zu geben. Mit Schaudern hatte er schon auf dem ganzen Weg her überlegt, ob sich nicht doch noch ein anderes Mittel finden ließe, den Altwirths zu helfen. Aber es war ihm nichts eingefallen. So entschloß er sich zu diesem äußersten, für ihn ganz besonders entsetzlichen Ausweg. Er malte es sich schon in den schwärzesten Farben aus, wie endlos und öde diese täglichen Sitzungen sein würden, und wie schmerzhaft für ihn diese fortgesetzt aufrechte Haltung wäre.

„Naa, lieber an Zahn reißen lassen!“ hatte er auf dem ganzen Weg ein- über das anderemal vor sich hingemurmelt. „Lieber zwei Zähn’ reißen lassen!“ Dann entschloß er sich aber doch dazu, allen Qualvorstellungen zum Trotz.

Es würde schrecklich werden. Er wußte es. Und noch dazu würde er stets freundlich dreinschauen müssen und nicht einmal seine geliebte Pfeife rauchen dürfen. Der Altwirth würde das in seinem Leben wohl nie begreifen können, zu welcher Tortur so eine Malerei unter Umständen werden konnte ...

Nun hatte ja Felix Altwirth wenigstens einen Auftrag und eine Arbeit, die ihm über die nächste Zeit hinweghelfen konnte. Wenn der Auftrag auch ein bescheidener war, so hob er doch das Selbstbewußtsein bei Felix und ließ ihn die Zukunft in rosigerem Lichte sehen.

Der wortkarge alte Herr versäumte jetzt keine Gelegenheit, bei den Sitzungen stets darauf hinzuweisen, daß Felix sich mit dem Patscheider gut stehen müsse, wenn er etwas erreichen wollte. So hart es ihn ankam, entschloß sich Felix endlich doch, dem Kaufmann seine Aufwartung zu machen.

Es war ein hohes, düsteres und kahles Haus, in dem der Patscheider wohnte. Mitten in der Stadt und nur wenige Minuten von der Hauptverkehrsader entfernt.

Geräumig, kühl und nüchtern waren die Zimmer, aber mit so viel breiter Behaglichkeit ausgestattet, so gediegen und wertvoll eingerichtet, daß sie einen beinahe vornehmen Eindruck erweckten. Nur daß ein gewisses Übermaß diesem Eindruck widersprach. Es war zu viel Reichtum mit unverkennbarer Absicht zur Schau gestellt.