Da waren schwere, geschnitzte Eichenmöbel. Und ein prunkvoller, echter Perserteppich bedeckte fast die ganze Bodenfläche des großen, viereckigen Wohnzimmers. Altes Zinn verzierte in Fülle die Gesimse der drei hohen Flügeltüren, die von diesem Zimmer nach den übrigen Räumen führten. Blinkendes Silbergerät stand auf der Kredenz, und hohe, silberne Armleuchter flankierten beide Seiten eines prachtvollen Flügels, der in der Mitte des Zimmers Platz gefunden hatte.

An den Wänden hingen große Gemälde in schweren, wuchtigen und aufdringlichen Goldrahmen. Die Bilder verrieten, daß der Besitzer wohl Geld, aber keinen erlesenen Geschmack besaß. Dieser große, zur Schau gestellte Aufwand störte den feinen Kunstsinn des Malers Felix Altwirth und machte auf ihn einen fast widerlichen Eindruck.

Johannes Patscheider ließ geraume Zeit auf sich warten, ehe er seinen Besuch empfing. Dann erst trat er in das Zimmer, wo Felix in beklommener Stimmung auf den Gewaltigen harrte.

Nicht ohne Bitterkeit zählte Felix Altwirth die Minuten des Wartens, die so langsam verstrichen. Ärgerte sich über diese offenbare Mißachtung dem Künstler gegenüber und begann schon zu bereuen, daß er dem ihm so unsympathischen Menschen seine Aufwartung gemacht hatte.

Das Herz schlug Felix erregt und unregelmäßig, und ein nervöses Zucken ging über sein noch immer sehr zartgefärbtes Gesicht. Dieses Herwarten wurde ihm von Minute zu Minute peinlicher und verschärfte die Demütigung, die für ihn in diesem Besuche lag.

Johannes Patscheider hielt sich unterdessen in einem Nebenzimmer auf und verzehrte in aller Ruhe und Behaglichkeit sein zweites Frühstück, Würsteln mit Krenn. Dazu trank er einen extrafeinen Südtiroler Wein. Den Besuch des Malers Altwirth empfand er als eine Belästigung, da er mit Sicherheit annahm, daß der nur zu ihm gekommen war, weil er etwas von ihm wollte. Vielleicht gar Geld. Na, sollte halt warten, der Altwirth, bis sich der Herr Patscheider gestärkt hatte. Da konnte er die Sache eher mit Gleichmut ertragen.

Von diesem sehr löblichen Gedankengang ließ er aber seinen Besucher nichts merken, nachdem er sich endlich entschlossen hatte, in das Wohnzimmer zu treten. Er begrüßte den Maler freundlich, hielt ihm die Hand entgegen und frug, indem er seine bogenförmigen Augenbrauen noch mehr in die Höhe zog: „Nun, Herr Altwirth, was verschafft mir die Ehre?“

Die beiden Herren saßen sich in den behaglichen und reichgeschmückten Lehnstühlen gegenüber. Der Kaufmann aufrecht und selbstbewußt. Felix unsicher und schüchtern. Sein feines, fast mädchenhaftes Gesicht bedeckte eine tiefe Röte innerer Erregung. Felix Altwirth war ein hübscher Mann, nur etwas schwerfällig und langsam in seinen Bewegungen.

„Es ist eine persönliche Angelegenheit, Herr Patscheider ...“ begann Felix jetzt die Unterredung. „Man hat mich an Sie gewiesen ... es handelt sich ... Sie wissen, ich bin Künstler ... und ... Es fällt mir schwer, Herr Patscheider ... es ist ... nämlich ... ich habe gehört, daß Sie eine hochherzige Stiftung für Tiroler Künstler ...“

„Ja, woher wissen denn Sie das?“ erkundigte sich der Patscheider jetzt wirklich erstaunt. Die ganze Zeit her hatte er den Maler mit einem leicht ironischen Seitenblick beobachtet. Rechnete er doch sicher damit, daß die Geschichte mit einem Pumpversuch enden würde. Den Kaufmann interessierte nur das eine, wieviel Geld der Altwirth von ihm verlangen würde. Jetzt aber, da Felix von dem Stipendium sprach, war der Patscheider tatsächlich verblüfft. „Es ist ja noch gar nicht zur Ausschreibung kommen!“ fuhr er fort. „Nur ein Eingeweihter kann Ihnen die Sache verraten haben!“ fügte er etwas ärgerlich hinzu.