„Holt’s den Gendarmen!“
„Eing’sperrt g’hört er!“
Die Männer eilten in großen Sprüngen und hinter ihnen drein ein paar neugierige Weiber und die Mädeln und Buben von Rattenberg.
Benedikta Zöttl hatte sich ganz heiser geschrien. Die Sophie lag wimmernd und regungslos auf der nassen Erde. Schips, der Hund, beschnupperte sie ängstlich und lief wedelnd und winselnd von einem der Kinder zum andern. Endlich ließ er sich traurig und mit gesenktem Kopf wie zum Schutz neben dem Säugling nieder und heulte laut und in langgezogenen, kläglichen Tönen.
„I zeig’ di an! Mörder ... Dieb ... Saufaus!“ schrie die Benedikta jetzt mit rauher, heiserer Stimme und krümmte sich unter den wuchtigen Schlägen des Mannes. Immer und immer wieder raffte sie sich zu ihrer Verteidigung auf und schlug und stieß aus ihrer halbliegenden Stellung auf ihren Gegner, obgleich sie sich vor Schmerzen kaum mehr rühren konnte.
Die drei Männer aus der Stadt hatten sich jetzt des wütenden Karrners bemächtigt und zerrten ihn mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft von dem Weib weg. Immer mehr Leute kamen zum Tor heraus und umstanden das Karrnerlager.
„Laßt’s mi aus!“ schrie der Gaudenz Keil und wehrte sich kräftig gegen den festen Griff der Männer. „Was geht das enk an, wenn i mei’ Weib prügel! I kann mei’ Weib prügeln, wie i mag!“
„Halt’s ihn fest! Er bringt mi um!“ kreischte die Benedikta leidenschaftlich.
„Mistmensch ... vermaledeits ... halt’ dei’ Goschen!“ Da er die Hände nicht mehr frei hatte, so stieß der Gaudenz jetzt mit beiden Füßen nach ihr. „Heut’ no drah’ i dir den Kragen um! Dir und dei’m Balg, dei’m gottverdammten!“ drohte er.
Dabei machte er so wütende Anstrengungen, sich aus der Gewalt der drei Männer zu befreien, daß es ihm tatsächlich für einen Augenblick gelang. Aber nur für einen kurzen Augenblick. Denn der lange Schmied, der über die Roheit des Karrners ehrlich empört war, stieß ihm seine eisenharten Fäuste so fest ins Gesicht, daß der Gaudenz wie betäubt hintenüber fiel.